London/Dublin (dpa) - Die Spekulationen um einen möglichen Antrag Irlands auf Finanzhilfe aus dem Eurozone-Hilfspaket gehen weiter.

Die Zeitung «Irish Times» berichtete unter Berufung auf nicht näher benannte Quellen, dass irische Beamte in «technische» Diskussionen darüber eingebunden seien, wie genau das Prozedere ablaufen könnte, falls das finanziell angeschlagene Land Hilfe aus dem Programm zur Stabilisierung des Euros beantragt.

Der irische Premierminister Brian Cowen wies Gerüchte um einen unmittelbar bevorstehenden Hilfsantrag Irlands in Brüssel allerdings klar zurück. Irland sei bis kommenden Juli finanziell gut abgesichert, sagte Cowen am Freitagabend bei einer Wahlkampfveranstaltung in der irischen Grafschaft Donegal. «Wir haben keinen Antrag für irgendwelche Hilfen gestellt.» Irland sei Teil einer größeren Währungsregion, in der die Probleme des Euro gemeinsam angegangen würden. «Wir kooperieren in den Problemfällen mit unseren Kollegen», sagte Cowen.

Kurz zuvor waren Gerüchte aufgekommen, Irland führe hinter den Kulissen bereits Gespräche mit Brüssel und werde in den kommenden Tagen Hilfe aus dem Euro-Krisenfonds beantragen.

Irland ist durch die Finanzkrise besonders hart getroffen worden. Wegen milliardenschwerer Rettungsmaßnahmen für sein marodes Bankensystem musste es sich in eine Rekordverschuldung stürzen. Das Haushaltsdefizit liegt in diesem Jahr bei 32 Prozent. Die Gesamtverschuldung beträgt mit 160 Milliarden Euro rund 100 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Anfang Dezember will die irische Regierung einen Haushaltsentwurf vorstellen, der im kommenden Jahr Einsparungen von bis zu 6 Milliarden Euro vorsieht.

In der vergangenen Woche waren die Zinsen für zehnjährige irische Staatsanleihen auf ein Rekordniveau geklettert. Investoren fürchteten, an den Kosten eines möglichen Bankrotts des Landes beteiligt zu werden. Am Freitag stellten die Finanzminister der führenden EU-Länder jedoch klar, dass dies erst von 2013 an möglich sei.