Hamburg (dpa) - Wer nach dem Start von Googles Panorama-Dienst Street View virtuell durch die großen deutschen Städte streift, wird immer wieder auf seltsame Straßenzüge stoßen. Manchmal sieht es so aus, als hätte jemand eine gewaltige Milchglasscheibe vor ein Gebäude gestellt.

Die 244 000 Verpixelungs-Anträge machen vielleicht nur drei Prozent der betroffenen Haushalte aus - die Löcher im Stadtbild springen trotzdem ins Auge. Pure Ironie: Auch die eigene Filiale in München musste Google unkenntlich machen, weil ein Mieter in dem Gebäudes dies beantragt hatte.

«Was hast Du getan, Deutschland?», regte sich der amerikanische Internet-Verfechter Jeff Jarvis auf, als Google vor zwei Wochen erste Pixel-Bilder aus der Gemeinde Oberstaufen im Allgäu ins Netz stellte. «Blurmany» (vom Englischen «blurren», verzerren) sei eine Zerstörung des öffentlichen Raums. Schließlich gibt es nach dem Verpixeln kein zurück mehr: Laut der Vereinbarung mit den Datenschützern werden die Häuser direkt auf den Rohbildern verwischt.

Auch der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar, der am Deutschland-Sitz des Konzerns für die Verhandlungen mit Google zuständig war, räumt ein, dass die Straßen-Bilder jetzt «nicht schön» aussehen. Dennoch sei es richtig gewesen, Immobilienbesitzern und Mietern die breite Möglichkeit für Widersprüche zu geben. «Ich halte das für eine ganz wesentliche Hilfe für die Betroffenen, die ja nicht gefragt wurden, ob sie Teil eines Panoramas werden wollen. Es ist ein Erfolg für unsere Bemühungen um den Datenschutz in Deutschland.»

Auch zur Bearbeitung der Rohbilder habe es keine Alternative gegeben, argumentiert Caspar. «Das Problem ist, dass wenn die Daten erstmal außer Landes sind, wir als deutsche Datenschutzbehörden einen eventuellen Missbrauch nicht mehr verhindern können.»

Immerhin sah es noch vor kurzem so aus, als würde Deutschland in den Google-Ansichten noch löchriger aussehen. Heftige Diskussionen hatte es in den vergangenen Monaten um die Street-View-Bilder gegeben. Eine «millionenfache Verletzung der Privatsphäre» warf Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) Google mit dem Dienst vor. Noch im August gaben in einer Emnid-Umfrage für die «Bild am Sonntag» 52 Prozent an, gegen eine Abbildung ihres Wohnorts bei Street View zu sein.

Doch die Zahl der Widersprüche fiel geringer als erwartet, und Google hofft, noch mehr Deutsche von den Vorzügen des Dienstes überzeugen zu können. Er denke, dass der anfangs große Widerstand auch daraus entstanden sei, dass die Menschen Street View nicht gekannt hätten, sagt Googles Datenschutzbeauftragter Peter Fleischer. «Dann haben sie jedoch gesehen, dass der Dienst viel Nutzen bringen kann.» Die Sorgen um Datenschutz seien unbegründet, bekräftigt er.