Seoul/Peking (dpa) - Nach dem Angriff Nordkoreas auf eine südkoreanische Insel verschärft sich der Konflikt zwischen beiden Ländern weiter. Unbeeindruckt durch Warnungen Nordkoreas begannen die US-Streitkräfte zusammen mit Südkorea ein neues Seemanöver, um militärische Stärke zu demonstrieren.

Nordkoreas Militär brachte deswegen nach Medienberichten weitere Raketen nahe der umstrittenen Seegrenze in Startposition. Das kommunistische Land drohte erneut mit Militärschlägen, sollte die Grenze zu seinen Hoheitsgewässern verletzt werden.

China startete unterdessen eine diplomatische Vermittlungsinitiative. Die Führung in Peking schlug multilaterale Krisengespräche unter Beteiligung der beiden koreanischen Staaten, der USA, Russlands, Japans und Chinas vor.

Fünf Tage nach dem Beschuss der Insel Yonpyong durch die nordkoreanische Artillerie begannen am Sonntagmorgen die gemeinsamen Marine- und Luftwaffenübungen der USA und Südkorea im Gelben Meer. Das viertägige Manöver findet nach Angaben des südkoreanischen Militärs allerdings weiter südlich der Seegrenze vor der Küstenstadt Taean statt, die etwa 150 Kilometer von Seoul entfernt ist.

Mit dem Großmanöver, an dem auch der Flugzeugträger «USS George Washington» mit 75 Kampfjets und etwa 6000 Soldaten teilnimmt, wollen die beiden Bündnispartner ein Signal der Abschreckung an das Regime in Pjöngjang senden. Das Manöver, das schon seit langem geplant gewesen sei, sei verteidigungsorientiert, hieß es.

Über seine staatlichen Medien drohte Nordkorea: «Wir werden einen brutalen militärischen Schlag bei jeder Provokation ausführen, die unsere Territorialgewässer verletzt.» Nordkorea, das die gemeinsamen Truppenmanöver der USA und Südkoreas stets als Provokation kritisiert, hatte am Samstag wegen des neuen Manövers in Südkorea vor unkalkulierbaren Folgen gewarnt.

Bei dem Beschuss der Insel Yonpyong am Dienstag wurden zwei Soldaten und zwei Zivilisten getötet. Es war einer der schwerwiegendsten Zwischenfälle seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950-53). Südkorea hatte das Feuer aus Nordkorea erwidert. Den Vorwurf Nordkoreas, zuerst geschossen zu haben, weist Seoul zurück. Nordkorea hatte am Samstag nach seinem Angriff den Tod von zwei Zivilisten bedauert. Nordkorea gab jedoch Südkorea die Schuld dafür.