München (dpa) - Hertha BSC ist die Höhenluft nicht bekommen, Überraschungs-Spitzenreiter FC Erzgebirge Aue kann aus Berlins Krise aber kein Kapital schlagen.

Bei der bitteren 0:6-Lektion im denkwürdigen Ost-Derby bei Energie Cottbus gerieten die Überflieger aus Sachsen böse unter die Räder und gingen nach zehn Spielen ohne Niederlage erstmals wieder ganz leer aus. «Lieber einmal 0:6 verlieren als fünfmal 0:1», kommentierte Aues Jan Hochscheidt das Debakel. «Wir waren nicht schlechter als die sechs Tore, aber Cottbus hat sich in einen Rausch gespielt», sagte FC-Trainer Rico Schmitt nach der Lehrstunde in der Lausitz.

Energie schnuppert als Tabellenvierter wieder an den Aufstiegsplätzen. «Wir sind eine richtig gute Fußballmannschaft», stellte Trainer Claus-Dieter Wollitz stolz fest und schwärmte nach dem höchsten Sieg in der Cottbuser Profi-Geschichte von den «außergewöhnlichen Qualitäten» seiner Mannschaft. Zum Abschluss des 14. Spieltags der 2. Fußball-Bundesliga an diesem Montag (20.15) empfängt die SpVgg Greuther Fürth im bayerischen Derby den TSV 1860 München.

Im Tabellenkeller können der Karlsruher SC und der FC Ingolstadt wieder Hoffnung schöpfen. Beim 4:0 gegen Rot-Weiß Oberhausen nach Toren von Timo Staffeldt, Macauley Chrisantus, Matthias Zimmermann und Lukas Rupp feierte der neue Trainer Uwe Rapolder mit dem ersten Dreier nach zuvor neun Partien ohne Sieg ein perfektes Debüt. «Die Mannschaft hat die Klammer der Angst und Unsicherheit abstreifen können», erklärte Rapolder. Aufsteiger Ingolstadt beendete mit dem 1:0 gegen Union Berlin dank Torschützen Stefan Leitl die Negativ- Heimserie von vier sieglosen Spielen.

Bei Spitzenreiter Aue ging in Cottbus alles schief. Beim 0:1 durch Uwe Hünemeiers Freistoß griff FC-Torwart Martin Männer neben den Ball. Nach Hünemeiers zweitem Treffer nahm Aues Unheil seinen Lauf. In Unterzahl nach dem Platzverweis von Kapitän René Klingbeil (45. Minute) besiegelten Emil Jula per Doppelpack, Marco Kurth und erneut Hünemeier mit seinem dritten Tor Aues höchste Saison-Niederlage.

In Berlin herrscht nach dem ernüchternden 0:2 gegen den MSV Duisburg dicke Luft. «Wer es bisher nicht begriffen hat, dass der Aufstieg kein Selbstläufer ist, der wird es spätestens jetzt verstanden haben», schimpfte Hertha-Manager Michael Preetz. Trainer Markus Babbel war nach der ersten Heimpleite der Saison bedient. «Keine Gier, keine Laufbereitschaft, kein Engagement», kritisierte er seine Mannschaft.

Der Bundesliga-Absteiger fiel nach der zweiten Niederlage in Folge im Aufstiegskampf hinter die «Zebras» auf den Relegationsplatz zurück. «Ich denke, es ist eine Art Zufriedenheit eingekehrt», sagte Babbel, «die muss raus, damit wir in den nächsten drei Spielen noch die Punkte holen können, um dann zuversichtlich in die Rückrunde zu starten».