Bremen (dpa) - Böse Blicke statt Ovationen: Trotz dreier Tore stand Hugo Almeida nach dem Bremer 3:0-Sieg gegen den FC St. Pauli als Buhmann da. Ein versuchter Ellenbogenstoß gegen Carlos Zambrano in der 80. Minute verdarb dem Fußballprofi den bis dahin großartigen Bundesliga-Nachmittag.

«Das hätte ich nicht machen dürfen», sagte Almeida: «Ich kann mich bei der Mannschaft nur entschuldigen.» Seine drei Treffer und die drei wichtigen Punkte für die zuletzt kriselnden Bremer gerieten durch die Unbeherrschtheit fast in den Hintergrund. Thomas Schaaf schaute trotz des ersten Sieges nach sechs Spielen ohne Sieg so grimmig wie so oft in den zurückliegenden Wochen. «Er darf sich nicht provozieren lasse», kritisierte der Coach seinen zuvor trefflichen Angreifer, der die Gäste aus Hamburg mit seinen Saisontreffern sieben bis neun (1./20./64. Minute) fast im Alleingang erledigte. «Er darf sich nicht hinreißen lassen.» Dass St. Paulis Markus Thorandt (90.) nach einem üblen Foul an Werder-Kapitän Torsten Frings ebenfalls vom Platz musste, war für Schaaf kein Trost.

«Eine absolute Dummheit», kommentierte Frings: «Das ist nicht nachvollziehbar.» Almeida hätte der Held des Tages sein können, die «Standing Ovations» wären ihm gewiss gewesen - Sandro Wagner stand bereits zur Auswechslung an der Seitenlinie. «Ich bin andauernd provoziert worden, aber das soll keine Entschuldigung sein», sagte der Sünder.

Dank Almeida gelang den Bremer einerseits ein Schritt aus der Krise, andererseits verschärfte der Portugiese die personellen Probleme der Werderaner, denen im Nord-Derby zehn Spieler fehlten. Almeidas Sperre trifft die Bremer daher besonders schwer.

«Die Mannschaft hat das gemacht, was man von ihr erwarten konnte», kommentierte Klaus Allofs. Den Clubchef ärgerte aber auch die Rote Karte von Almeida. «Das müssen wir aufarbeiten», kündigte er an: «Das ist eine Reaktion, die wir uns nicht erlauben können.»

So oder so waren die drei Zähler für Schaaf nur «ein kleiner Schritt» aus der Krise. «Es hat sicher geholfen, dass wir früh ein Tor gemacht haben», sagte der Coach. «Wir hatten wieder Zug drin. Alle waren beteiligt, einer hat die Tore gemacht.»

Die harmlosen Hamburger erwiesen sich allerdings als idealer Aufbaugegner für die zuletzt schwächelnden Bremer und stecken nach dem sechsten Spiel ohne Sieg mitten im Abstiegskampf. «Wir sind restlos enttäuscht», sagte St. Paulis Trainer Holger Stanislawski. Er ärgerte sich vor allem über den ersten Gegentreffer: «Da nimmt man sich viel vor - und nach 50 Sekunden geht das Theater nach hinten los.»