Bagdad (dpa) - Die jüngste Anschlagserie auf schiitische Stadtbezirke in Bagdad hat nach offiziellen Angaben 64 Menschen das Leben gekostet. Gesundheitsminister Salih al-Hasnawi sagte, 360 Menschen seien verletzt worden, als 15 ferngezündete Autobomben und fünf kleinere Sprengsätze detonierten.

Einige irakische Beobachter zweifelten die offiziellen Opferzahlen jedoch an und erklärten, es seien mindestens 100 Menschen getötet worden. Die neue Welle der Gewalt löste international Entsetzen aus. Mehrere Regierungen und die Organisation der Islamischen Konferenz verurteilten die Anschläge und appellierten gleichzeitig an die Parteien im Irak, möglichst rasch eine neue Regierung zu bilden.

Wie am Mittwoch bekanntwurde, soll am kommenden Montag die zweite Sitzung des Parlaments seit der Parlamentswahl vom 7. März stattfinden. Wenn das Parlament dann, wie es die Verfassung vorsieht, einen Parlamentspräsidenten wählen sollte, wäre dies der erste praktische Schritt auf dem Weg hin zur Ernennung des neuen Staatspräsidenten und des Regierungschefs.

In der Nacht zum Montag waren bei einer Geiselnahme in einer katholischen Kirche in Bagdad 50 Christen und fünf Geiselnehmer ums Leben gekommen. Die Geiselnehmer hatten, bevor sie sich mit Sprengstoffgürteln in die Luft sprengten, erklärt, sie forderten die «Freilassung» von ehemaligen Christinnen, die zum Islam konvertiert seien und jetzt von der koptisch-orthodoxen Kirche in Ägypten festgehalten würden. Am Mittwoch tauchte auf islamistischen Websites ein Bekennerschreiben im Namen des «Kriegsministeriums» des sogenannten «Islamischen Staates im Irak» auf. Dabei handelt es sich um den lokalen Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Darin hieß es, man habe der koptischen Kirche 48 Stunden Zeit gelassen, um die Frauen freizulassen. Da dies nicht geschehen sei, betrachte man nun alle christlichen Organisationen, alle Kirchenangehörige und auch die Gläubigen als «legitime Angriffsziele für die Gotteskrieger». In Ägypten wurden am Mittwoch zusätzliche Polizeikräfte für die Bewachung der Kirchen aufgeboten.

Soldaten fanden während einer Razzia in der 400 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Stadt Mossul am Mittwoch 3,5 Tonnen Sprengstoff. Die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak meldete, fünf Verdächtige seien verhaftet worden.