Hamburg (dpa) ­ Alte Bilder eines jugendlichen Jungstar in grellbunten Schlaghosen, Hits aus vier Jahrzehnten Deutschrock und ein über die Bühne fegender 61-Jähriger: Peter Maffay spielte zu seinem Bühnenjubiläum und Tourauftakt in Hamburg mit dem Gefühl der Nostalgie.

Als die ersten Akkorde erklingen, ist die große Bühne der ausverkauften O2 World Arena unbeleuchtet ­ und leer. Nicht vorne im Rampenlicht beginnt der Deutschrocker am Dienstagabend sein Konzert, sondern mitten im Publikum. Auf einer kleinen Bühne im hinteren Drittel der Halle sitzt Peter Maffay zu Konzertbeginn allein auf einem Holzstuhl und ringt seiner Westerngitarre Blues-Akkorde ab. Seine Fans strecken die Arme aus und können ihr Idol fast greifen. «Das fühlt sich sehr gut an», ruft Maffay von der Mini-Bühne. «Das erinnert mich an die Clubs, in denen ich früher gespielt habe!»

«Früher», das ist lange her für Peter Maffay, der in diesem Jahr mit «Tattoos» sein 34. Studioalbum veröffentlicht hat. Denn schon 1970, als gerade mal 20-Jähriger erreichte der Sohn zweier rumänischer Einwanderer mit dem Lied «Du» hierzulande den ersten Platz der Charts. Inzwischen zählt er zu den erfolgreichsten deutschen Musikern. «40 Jahre Rock'n'Roll» ist daher das Motto seiner neuen Tournee, auf der er neben aktuellen Stücken auch Hits wie den Karat-Coversong «Über sieben Brücken musst du gehn» und «Eiszeit» spielt. Und natürlich «Du».

Als Maffay dieses Lied ankündigt, steht er längst auf der großen Arena-Bühne, umringt von seiner Rockband. Über die Leinwand hinter ihm laufen Fotos aus den ersten Jahren seiner Karriere: Titelbilder der Zeitschrift «Bravo», die den jugendlichen Maffay mit wilder Mähne und nacktem Oberkörper zeigen, und ein Foto, auf dem er einen grell leuchtenden, orangefarbenen Anzug mit Schlaghose und roten Plateauschuhen trägt. Ein Jauchzen geht durch die Reihen der rund 16 000 Zuschauer, von denen nicht wenige diese Mode selbst miterlebt haben dürften. «Hey Leute», sagt Maffay mit gespielter Empörung, «ich weiß gar nicht, was es da zu lachen gibt!»

Der Deutschrocker lässt seinem Publikum während der rund zweieinhalbstündigen Show kaum Atempausen. Hinter ihm stehen auf einem Bühnengerüst die rund 30 Mitglieder des Philharmonic Volkswagen Orchestra, das Maffay zum ersten Mal begleitet. Nach dem Konzertbeginn in aller Bescheidenheit dröhnen nun die Pauken und Posaunen. Dass Maffay auf seine alten Tage noch zum Klassik-Interpreten wird, ist aber nicht zu befürchten. Mit Cowboy-Stiefeln, Nackenmatte und einer nackten, tätowierten Brust tobt der Sänger in bester Rockermanier über die Bühne. Seine elektronisch verstärkte Band weist dem Orchester eine Nebenrolle zu.

Nur zu der neuen Liebesballade «Ewig» verstummt die Rockband und lässt Maffays Stimme alleine mit dem Klang des Orchesters. Doch plötzlich beginnt eine abgestellte E-Gitarre schrill zu pfeifen. In der ansonsten reibungslos verlaufenden Show ist das nur ein kleines technisches Problem ­ aber ein bezeichnendes. Maffay ohne Gitarren? Das ist nicht vorstellbar. Erst als die Rockband wieder die Bühne betritt, gibt das Störgeräusch der E-Gitarre Ruhe. Zum großen Finale mit dem Song «Ich wollte nie erwachsen sein» läuft Maffay schließlich zur Bestform auf. Band und Orchester harmonieren perfekt.