Frankfurt/Main (dpa) - Der Versandhändler Neckermann.de hat sich mit einem starken Wachstum im Online-Geschäft wieder berappelt. Nach einem drastischen Umsatzeinbruch um 10 Prozent 2009 sollen auf dem Heimatmarkt im laufenden Geschäftsjahr Erlöse von mindestens 860 Millionen Euro (2009: 736 Mio) erzielt werden.

Das erklärte Vorstandschef Henning Koopmann am Mittwoch in Frankfurt. Planzahlen würden damit übererfüllt und der erwartete Verlust um einen zweistelligen Millionenbetrag verringert. Neckermann gehört komplett dem US-Investmenthaus Sun Capital Partners, das im Oktober die fehlenden 49 Prozent vom insolventen Handelskonzern Arcandor übernommen hatte.

Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) werde 2010 die angestrebte schwarze Null ergeben, erklärte Koopmann. Er bestätigte frühere Aussagen, dass man 2012 in die Gewinnzone zurückkehren will. Der Eigentümer habe ausreichend Eigenkapital zur Verfügung gestellt und verfüge über die Erfahrung von mehr als 240 erfolgreichen Übernahmen.

Die Wende nach jahrelang rückläufigen Umsätzen hatte Neckermann im vierten Quartal 2009 geschafft. Im laufenden Jahr brachte vor allem das boomende Internet-Geschäft das Handelshaus voran, das inzwischen zwei von drei Euro im Netz verdient. Beim Online-Handel sei man mit einem Umsatzplus von 31,2 Prozent im ersten Halbjahr doppelt so schnell wie der Wettbewerb gewachsen, erklärte der Unternehmenschef. Auch der Versandhandel nach Katalog legte um 12 Prozent zu. Dabei habe man wie der gesamte Markt vom Ausscheiden des Marktführers Quelle profitiert, meinte Koopmann, ohne Zahlen zu nennen.

Für das Gesamtjahr erwartet Neckermann in Deutschland mit einem starken Weihnachtsgeschäft ein Umsatzplus von rund 20 Prozent. Der Heimatmarkt zieht die ausländischen Töchter in Zentral- und Osteuropa mit: In der Gruppe wird ein Plus um 10 Prozent auf 1,26 Milliarden Euro erwartet.

Auch beim Personaleinsatz gehe es wieder aufwärts. Zwar werden zum Jahresende in der Frankfurter Zentrale mit rund 2200 Menschen 100 weniger arbeiten als ein Jahr zuvor. Doch dem starken Abbau von Stellen in der Logistik und im Außendienst stehen in diesem und im kommenden Jahr 350 neue Jobs vor allem im weiter auszubauenden E- Commerce gegenüber, von denen etwa 160 nach Frankfurt kommen sollen. Unter anderem will das Unternehmen den Einkauf und das Marketing der internationalen Töchter stärker zusammenfassen. Insgesamt hat Neckermann rund 4000 Beschäftigte, davon 2500 in Deutschland.

Die Zukunft sieht das Unternehmen eindeutig im Internethandel, in dem es seit 15 Jahren aktiv ist. Kataloge werde es aber auch noch in zehn Jahren geben, meinte Marketing-Vorstand Ulf Cronenberg. Ihre Funktion ändere sich aber, weil immer stärker auf das Internet- Angebot verwiesen werde. In diesem und den beiden folgenden Jahren investiert Neckermann nach seinen Angaben rund 50 Millionen Euro in die IT-Infrastruktur.