Hamburg (dpa) - Die Wellen beim Hamburger SV schlagen weiter hoch: Der neuerliche Ausfall von Ruud van Nistelrooy verschärft die schwierige sportliche Situation des Fußball-Bundesligisten, der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann drohte einen Umbruch nach der Saison an.

Hoffmann kritisierte nach dem Pokal-Aus in Frankfurt und dem 2:3 in Köln unmissverständlich die aus seiner Sicht lasche Einstellung der Profis des Tabellen-Achten. Zudem gibt es neuen Ärger um Paulo Guerrero.

Van Nistelrooy zog sich einen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich zu und fällt für unbestimmte Zeit aus. Dies ergab eine Kernspintomographie beim niederländischen Nationalspieler. Der 34-Jährige, der schon in seiner Zeit bei Real Madrid als extrem verletzungsanfällig galt, hatte sich gerade von einer schmerzhaften Knie-Prellung aus der Partie gegen Bayern München erholt und war zu Wochenbeginn wieder ins Training mit der Mannschaft eingestiegen. Am 2. November musste er dann die Nachmittagseinheit mit Schmerzen in der Leistengegend abbrechen.

Neben van Nistelrooy droht auch Stürmerkollege Mladen Petric im Heimspiel am 6. November gegen 1899 Hoffenheim auszufallen. Nach einem Zusammenstoß im Training schwoll der Knöchel des Kroaten an. Damit sind inzwischen ein halbes Dutzend Spieler verletzt.

Hoffmann vermisst vor allem «Gier und Galligkeit» in entscheidenden Punktspiel-Phasen. Neben der Verletztenmisere fehle es den HSV-Spielern am nötigen Biss, knappe Resultate über die Zeit zu retten, sagte der 47-Jährige Hamburger Medien: «Wir haben gute Spieler im Kader, aber so eine Mentalität muss sich aus der Mannschaft herausbilden.»

Seit einem Jahr achte man verstärkt auf die Charakterstärke der Profis. Mit allen Spielern sei vor der Saison ein Gespräch geführt worden. Dennoch wiederholten sich «einige Probleme seit Jahren, deswegen wird es einen erheblichen Einschnitt geben», erklärte Hoffmann. Einige Verträge liefen aus, der Umbruch werde deutlich größer als in den Vorjahren ausfallen.

Seine eigene Zukunft über das Jahr 2011 hinaus hänge von der Mitgliederversammlung am 9. Januar ab, auf der vier neue Aufsichtsratsmitglieder gewählt werden. Der zwölfköpfige Aufsichtsrat entscheidet im kommenden Jahr über die Verlängerung von Hoffmanns Arbeitsvertrag über Dezember 2011 hinaus. In siebeneinhalb Jahren hat der Kaufmann sieben Trainer eingestellt.