Berlin (dpa) - Die Leistungsfähigkeit jedes Einzelnen hängt auch im Beruf stark vom Einklang mit seiner inneren Uhr ab.

«Wer gemäß seiner Innenzeit leben kann, schläft besser, ist gesünder, arbeitet effektiver und mit mehr persönlichem Erfolg, hat aber auch viel mehr von seiner Freizeit», resümierte Schlafforscher Prof. Till Roenneburg (Universität München) am Mittwoch in Berlin. Dort schloss das von der Daimler-Benz-Stiftung geförderte Kolleg «ClockWORK» seine fünfjährige Arbeit ab. Die Bilanz: Arbeitszeitmodelle der Zukunft sollten den individuellen Leistungskurven flexibel anzupassen sein.

Die Tatsache, dass jeder Mensch seine eigene Chronobiologie hat - also die genetische Veranlagung dazu, eher ein «früher Vogel» oder tendenziell eine «Nachteule» zu sein -, könnten sich Unternehmen mit Schichtdienst verstärkt zunutze machen, folgern die Forscher. «Ein Frühtyp liefert in der Frühschicht bessere Leistungen und ist zufriedener mit seiner Tätigkeit», beschreibt der Münchner Neuropsychologe Joachim Hermsdörfer, der bei Probanden Tagesschwankungen der Feinmotorik untersuchte.

Auch bei der Sprachverarbeitung gibt es deutliche Schwankungen im Tagesrhythmus, bestätigte die Linguistin Kathrin Pusch von der Humboldt-Universität Berlin. Demnach könnten nicht nur Schichtarbeiter, die auch zu ungewöhnlichen Tageszeiten sicher kommunizieren müssen, um Unfälle zu verhindern, von einer Synchronisation der Arbeits- mit der Innenzeit profitieren. «Auch für das Lernen von Sprache und die Sprachtherapie sind diese Erkenntnisse von Nutzen», betonte Pusch.

Eine innere Uhr, deren Taktgeber vor allem das Licht ist, tickt in sämtlichen Lebewesen und gestaltet die Innenzeit, nach der sich alle Abläufe im Körper richten. Ein stecknadelgroßes Hirngebiet steuert diese Abgleichung des Schlaf-Wach- mit dem Tag-Nacht-Rhythmus, der vor allem bei Schichtarbeitern und reisenden Geschäftsleuten häufig aus dem Takt gerät.