Rüsselsheim/Berlin (dpa) - Wieder einmal hat General Motors (GM) alle überrascht - und die Politik brüskiert. Der US-Konzern will seine deutsche Tochter Opel nun doch alleine sanieren.

Noch am Dienstag hatten Staatssekretäre aus vier Bundesländern darüber beraten, wie sie Opel mit Länderbürgschaften helfen können. Vergebliche Liebesmüh. Quasi über Nacht sollen Staatsbürgschaften über 1,8 Milliarden Euro in Europa verzichtbar geworden sein.

Ausschlaggebend für den Sinneswandel in Detroit dürfte auch der harte Kurs von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle gewesen sein, der vor einer Woche Bundesbürgschaften abgelehnt hatte. Nicht noch einmal wollte sich Opel nun auf zähe Verhandlungen einlassen und kostbare Zeit und Energie vergeuden. Denn die Hängepartie belastete auch den Ruf der Marke Opel, wie sinkende Marktanteile in Deutschland und Europa zeigen.

«Wir hätten uns die Beschädigung der Marke sparen können», sagte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer erklärte: «Es ist hervorragend, dass GM diese Entscheidung getroffen hat. Aber es ist schade, dass das nicht schon vor drei Monaten passiert ist. Die Abfuhr von Brüderle hätte sich GM ersparen können.»

Für Brüderle könnte Opel zum Wendepunkt werden. In seinen ersten siebeneinhalb Ministermonaten hatte er in Berlin kaum Akzente setzen können. Nun wird Opel immer mit dem Nein des FDP-Manns verbunden sein - der trotz massiven Drucks von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), den Bundesländern und Gewerkschaften nicht umfiel. «Die Reaktion von Opel und General Motors zeigt, dass sich eine marktwirtschaftliche Haltung auszahlt», sagte ein selbstbewusster Brüderle am Mittwoch.

Der Staat habe Besseres zutun, als sich um angeschlagene Autobauer zu kümmern. Einen kleinen Seitenhieb gegen die Amerikaner konnte sich Brüderle im Moment des Triumphes nicht verkneifen. In dem 18-Monate- Drama um Opel wurde «erhebliche Ressourcen an Geld, Zeit und Hirnleistungen aufgebracht, um an staatliche Gelder zu kommen».

In der gesamten FDP, die von Anfang gegen Opel-Hilfe war, dürfte die Genugtuung groß sein. Viele Liberale waren über die Art und Weise empört, wie Merkel ihrem Wirtschaftsminister vor einer Woche in die Parade gefahren war.