Berlin (dpa) - In seiner Jugend war er mit einer Neandertalerin namens Chantal zusammen. Später lehnte er es ab, der 13. Jünger von Jesus zu werden. Dann wurde er Chauffeur von Goethe und Friseur von Hitler. Der Mann hat also einiges hinter sich.

«Johnny Chicago» heißt er, knapp 10 000 Jahre alt ist er - und TV-Komiker Kurt Krömer (35) spielt diesen unsterblichen Typen an der Berliner Volksbühne. Am Dienstagabend wurde das nach seinem Titelhelden benannte Stück des Psychiaters und Autors Jakob Hein («Mein erstes T-Shirt») - Sohn von Schriftsteller Christoph Hein - uraufgeführt. Es ist eine ziemlich milde ausgefallene Persiflage auf die oberflächliche Fernsehwelt.

«Johnny Chicago» war einige Zeit Star aller Talkshows. Mittlerweile interessiert sich aber keiner mehr für ihn. Auch der von Hein selbst gespielte Moderator der Show «Ihre Stars von gestern» nicht. Doch die Sendung muss irgendwie über die Bühne gebracht werden.

Die Story bietet viele Pointen für den mit schwarzer Perücke ausgestatteten Krömer/Johnny. Doch am Ende bleibt das Stück genauso eindimensional wie die von ihm durch den Kakao gezogenen Fernsehvorbilder. Meist spielen Krömer, Hein und die ständig in neuen Rollen auftretende Inka Löwendorf das TV-Elend nämlich einfach nur nach. Das Theaterpublikum wird zum Fernsehstudiopublikum umfunktioniert.

Die Kritik liefern Hein und Krömer übrigens gleich mit: Einmal schlüpfen sie aus ihren Rollen und werfen sich in einem auf der Toilette geführten Dialog gegenseitig vor, so könne das doch alles gar nichts werden. Das Publikum amüsierte sich.

Natürlich vergisst bei der Inszenierung von Oscar-Preisträger Jochen Freydank («Spielzeugland») kein Zuschauer, dass Johnny eigentlich Krömer («Krömer - Die internationale Show») ist. Dabei ist Krömer ja eigentlich Alexander Bojcan - ein mit seiner Neuköllner Kunstfigur («Der Robbie Williams vom Hermannplatz») auf perfekt-perfideste Weise verschmolzener Komödiant.

Mit «Johnny Chicago» hat Hein eine schrille Show für den Star Krömer geschaffen und sich selbst als schräger TV-Moderator in scheußlich gelbem Anzug (Marke «schwer verletzter Zitronenfalter») eingeführt. Über die Tragik der «Promi-Reste», die die «Fernseh-Müllabfuhr» auf die Sofas der Talkshows kippt und die Zuschauer, die sich daran weiden, hätte es allerdings noch mehr zu sagen gegeben.