Frankfurt/Main (dpa) - Mit einer Strafanzeige gegen die Deutsche Eishockey Liga (DEL) reagieren die Kassel Huskies auf den verhängten Lizenzentzug.

Die Nordhessen stellten durch den Hanauer Rechtsanwalt Jochen Mignat Strafanzeige bei der Kölner Staatsanwaltschaft gegen DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke und den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Wilfried Fabel. Beide stünden im Verdacht, Geheimnisse der Huskies verraten zu haben, erklärte Kassels Geschäftsführer Fritz Westhelle. So sollen vertrauliche Lizenzunterlagen von der DEL an andere Clubs weitergegeben worden sein. «Damit ist eine neue Qualität erreicht. Das ist strafbar. Da muss es bei der DEL Rücktritte geben», sagte Westhelle.

Den verhängten Lizenzentzug wollen die Nordhessen unmittelbar nach der für den 2. Juli geplanten Versammlung der DEL-Gesellschafter vor dem Schiedsgericht anfechten. «Wir können den Entzug der Lizenz nicht ernst nehmen, da er gegen eine bestehende Einstweilige Verfügung des Landgerichts Köln verstößt», erklärte der Huskies-Geschäftsführer. Im Verfahren vertreten die Anwälte der DEL auch einige Clubs der Liga. In einem vorgelegten Schriftsatz hätten sich die vertraulichen Unterlagen der Huskies befunden. «Die Kalkulationen und Preise der Huskies sind selbstverständlich nicht für Wettbewerber bestimmt», sagte Westhelle.

Nicht nur in Nordhessen sitzt der Schock tief. Völlig erschüttert vom «einseitig, außerordentlich und mit sofortiger Wirkung» erfolgtem Lizenzentzug stehen die Frankfurt Lions vor den Scherben ihrer Vereinsgeschichte. «Ich bin geschockt. Wir hatten wirklich alles getan», sagte Lions-Boss Siggi Schneider in der ersten Reaktion auf den «Blauen Brief». Am 1. Juli stand Schneider für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. Nach Informationen der «Bild»-Zeitung soll die DEL kurzfristig noch 600 000 Euro gefordert haben. «Das kann ich so nicht bestätigen», erklärte Pressesprecher Matthias Scholze.

«Es wird intensiv beraten, was wir machen können», sagte Scholze. Man sei sicher gewesen, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachgewiesen zu haben. Den Frankfurtern bleiben kaum Möglichkeiten, der Auflösung der Profi-Abteilung zu entkommen. Möglich ist die Anrufung des DEL-Schiedsgerichtes. «Das müssen wir uns unter den derzeitigen Umständen aber sehr genau überlegen», sagte Scholze. Auch den Gang vor ein ordentliches Gericht kann der Club anstreben, doch könnte sich ein Verfahren über Monate hinziehen.

Die Lions hatten den Etat deutlich reduziert, die Spieler hatten auf 20 Prozent ihrer Gehälter verzichtet und die Stadt Frankfurt unbezahlte Rechnungen für die Nutzung der Eissporthalle auf lange Zeit gestundet. Zudem hatten die Gesellschafter um Schneider noch einmal eine Bürgschaft in siebenstelliger Höhe beigesteuert. 3,4 Millionen Euro hatten beim ersten Lizenzantrag gefehlt. Einen Tag vor Fristablauf betrug die Unterdeckung noch 1,5 Millionen Euro, doch soll die Lücke geschlossen worden sein. Genützt hat alles nicht.

Ob die Kassel Huskies und die Frankfurt Lions für die DEL die einzigen schwarzen Schafe sind, wird sich bei der Versammlung der DEL-Gesellschafter in Köln zeigen. Zittern müssen die Clubs aus Berlin, Hannover und Krefeld. An ein gutes Ende glauben die Kölner Haie. «Wir werden die Lizenz ganz sicher bekommen», sagte Geschäftsführer Thomas Eichin. Auch bei den Hamburg Freezers ist man optimistisch, weil man bisher keine Post von der DEL erhalten hat.