Berlin (dpa) - Die Verbraucher müssen sich nach Einschätzung der Bauern auf teurere Lebensmittel einstellen. «Die Verbraucherpreise werden sich sicher erhöhen in diesem Jahr», sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner am Donnerstag zum Start des Deutschen Bauerntages in Berlin.

Der Verbandschef geht nach eigenen Worten aber nur von einer moderaten Steigerung aus. Milch, Butter, Obst und Gemüse waren in den vergangenen Wochen bereits teurer geworden. Bis zu diesem Freitag werden rund 1000 Teilnehmer zum Bauerntag erwartet, darunter Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos.

Nach dem Krisenjahr 2009 sehen die Bauern wieder hoffnungsvoller in die Zukunft. «Es geht langsam aufwärts», sagte Sonnleitner. Die Agrarexporte - vor allem Fleisch und Milch - könnten 2010 auf einen neuen Rekordwert nach bisher 50 Milliarden Euro im Jahr zusteuern.

Die Einkommen der Bauern sind im abgelaufenen Wirtschaftsjahr allerdings nicht gewachsen. Sie lägen nicht höher als im «ganz schlechten Jahr» zuvor, weil die Preise erst seit einigen Monaten stiegen, sagte der Bauernpräsident. Die Getreidebauern schrieben weiter rote Zahlen. Damit die Einkommen ins Plus kämen, müssten die Erzeugerpreise für die Landwirte um 10 bis 20 Prozent steigen. Die Rohstoffe machten durchschnittlich nur einen Anteil von einem Viertel aus, so dass der Effekt beim Verbraucher deutlich geringer sei.

Die Milchbauern mussten 2009 - dem Jahr der Preiskrise - erneut viele Betriebe aufgeben. Die Zahl der Milchkuhhalter sank von Mai 2009 bis Mai 2010 um vier Prozent und damit auf einen neuen Tiefstand, teilte das Statistische Bundesamt mit. 3934 Höfe stellten ihre Milchviehwirtschaft ein. Im Mai gab es in Deutschland nur noch knapp 93 500 Milchbetriebe. Nach Angaben der Statistiker sank die Zahl der Milchhöfe in den vergangenen Jahren stetig. Die Milchbauern arbeiten nach Ansicht des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter noch immer nicht kostendeckend. Die Produktion eines Liters koste sie rund 40 Cent, die Molkereien zahlten nur 30 Cent.

Sonnleitner hofft, dass die bisherigen Subventionen für Bauern auch in der neuen Finanzperiode nach 2013 beibehalten werden können. Mehrere Umweltverbände forderten von der EU-Kommission, sich mehr für faire Handelsbedingungen stark zu machen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kritisiert die Agrarpolitik von Ländern wie Deutschland und Frankreich. Wer Landwirte angesichts niedriger Preise Kompensationen zugestehe, sorge lediglich für höhere Preisschwankungen auf den Weltmärkten, heißt es in einem OECD-Bericht.

Die Grünen im Bundestag warfen dem Bauernverband vor, nicht alle Landwirte zu vertreten. Sie nannten Milchbauern, Biobauern, Kleinbauern und gentechnikfreie Bauern als Beispiel. Sonnleitner wies das zurück. Rund 90 Prozent der Landwirte in Deutschland seien im Bauernverband organisiert.