Erasmia (dpa) - Sticheln, Reizen, Brust raus: Beim Countdown für die WM-Kraftprobe mit Argentinien zeigen sich die deutschen Kicker weiter kampfeslustig.

Wie Toreros einen wilden Stier, so versuchen Kapitän Philipp Lahm & Co. die als heißblütig bekannten «Gauchos» vor dem Viertelfinal-Knüller zu provozieren. «Wir wissen, dass die Südamerikaner sich sehr impulsiv und temperamentvoll verhalten und nicht wirklich verlieren können. Ich hoffe, dass wir am Samstag erleben, wie sie diesmal mit der Niederlage umgehen», tönte Lahm in Anspielung auf die Tumulte nach dem deutschen Sieg nach Elfmeterschießen im WM-Viertelfinale 2006 in Berlin.

Einen Tag nach den Attacken von Bastian Schweinsteiger, der den Argentiniern allgemein einen Hang zur Provokation unterstellt hatte, legte Oliver Bierhoff im DFB-Quartier in Erasmia nach. «Die Argentinier sind herzliche, gesellige, freundliche Menschen - aber wenn es auf den Platz geht, vergessen sie dies. Es gibt immer Diskussionen und Provokationen», sagte der Teammanager und nannte als Konsequenz für die mit Spannung erwartete Partie am 3. Juli in Kapstadt: «Wir sollten kühlen Kopf bewahren.»

Argentinien-Coach Diego Maradona konterte im Psycho-Spielchen mit der Aussage, «wir werden Deutschland attackieren, gewinnen und das ist es, was Schweinsteiger nervös macht». Da irre Maradona, entgegnete Bierhoff postwendend: «Wir sind nicht nervös, auch Bastian nicht.» Der Manager bewertete Schweinsteigers Aussagen «als nicht so brisant» und schloss an: «Es war sicherlich nicht seine Absicht, hier etwas anzuheizen.»

Tatsächlich brennt die Luft. «Es wird sicher ein hartes Spiel», sagte Miroslav Klose, der sein 100. Länderspiel bestreitet. Die FIFA nominierte als Schiedsrichter den erst 32 Jahre alten Usbeken Rawschan Irmatow, der zwar unerfahren ist, aber bislang in Südafrika überzeugend pfiff. Man kenne «die Spielchen» der Argentinier, sagte auch Arne Friedrich: «Wir werden uns gut vorbereiten.»

Die «richtige Antwort» könne «man immer mit Toren und einem Sieg geben», empfahl Klose. «Man muss ja nicht gleich zuschlagen, um zu zeigen, dass man sich nichts gefallen lässt», meinte Youngster Thomas Müller gewohnt kess. Friedrich prophezeite: «Die Argentinier werden mit viel Leidenschaft ins Spiel gehen. Carlos Tevez hat ja gesagt, er will eine Revanche.»

Vor vier Jahren in Berlin legte Friedrich eben diesen Tevez an die Kette. Doch bei der Neuauflage steht Maradona noch mehr Angriffswucht zur Verfügung. «Higuain macht viele Tore, Messi und Tevez sind gut drauf. Alle Offensivleute sind bärenstark», warnte Innenverteidiger Friedrich. «Wir wissen, was zu tun ist», sagte Lahm forsch: «Wir müssen als Mannschaft agieren. Und jeder muss seine Leistung bringen.» Lahm war froh, dass der DFB-Tross schon am Abend des 1. Juli in Kapstadt landete: «Man freut sich, dass es endlich losgeht. Die Anspannung ist da. Wir sind alle topfit.»