Washington (dpa) - Die umfassendste Finanzreform in den USA seit der Großen Depression vor 80 Jahren ist in greifbare Nähe gerückt. Mit der Zustimmung des Repräsentantenhauses nahm das Gesetz die vorletzte parlamentarische Hürde.

Das abschließende Votum des Senats wird erst Mitte Juli erwartet - dort sind die Demokraten von Präsident Barack Obama aber auf die Unterstützung einiger weniger Republikaner angewiesen. Rund zwei Jahre nach dem Beinahe-Zusammenbruch des Finanzsystems sieht das Gesetzespaket schärfere Regeln für Finanzinstitute, mehr Macht für Kontrolleure und einen besseren Verbraucherschutz durch eine neue Behörde unter dem Dach der US-Notenbank vor.

Die Zustimmung zum Gesetz im Senat wäre ein wichtiger Sieg für Obama. Die Reform enthält nach seiner Aussage 90 Prozent seiner Vorschläge für eine Neuregelung. «Es war ein langer Kampf gegen die Verteidiger des Status quo in der Wall Street. Aber die heutige Zustimmung ist ein Sieg für jeden Amerikaner, der von dem Leichtsinn und der Verantwortungslosigkeit betroffen ist, die zum Verlust von Millionen Arbeitsplätzen (...) geführt haben», sagte Obama nach der Abstimmung laut einer Mitteilung.

Ein Vermittlungsausschuss von Repräsentantenhaus und Senat hatte am Dienstag eine umstrittene, milliardenschwere Bankenabgabe gestrichen, um zusätzliche Stimmen der Republikaner auf die Seite der Befürworter der Reform zu ziehen. Demokraten zeigten sich zuversichtlich, nun auf die notwendigen 60 Stimmen im Senat zu kommen. Nach dem Votum kann Präsident Obama das Gesetz unterzeichnen. Am Mittwoch hatten sich im wesentlichen entlang der Parteigrenzen 237 Abgeordnete für die Reform ausgesprochen, 192 dagegen.

Die Obama-Regierung hatte laut US-Medien die Streichung der Bankengebühr befürwortet. Sie erhofft sich nun größere Chancen, eine andere Bankengebühr durchzusetzen, die über zehn Jahren 90 Milliarden Dollar einbringen soll. Mit ihr sollen die Milliarden-Kosten für die Bankenrettung wieder hereingeholt und zudem große Finanzinstitutionen von riskanten Geschäften abgeschreckt werden.

Ein Regulierungsrat, dem der US-Finanzminister vorsitzt, soll künftig über mögliche Risiken für das Finanzsystem wachen. Zudem erhält die Regierung neue Vollmachten, zusammenbrechende Finanzinstitutionen zu übernehmen und abzuwickeln. Die Befugnis der Regulierungsbehörden wird gestärkt, große Geldhäuser in kleinere Einheiten aufzuspalten, wenn sie drohen, das Finanzsystem zu gefährden.

Der hochprofitable, aber risikoreiche Eigenhandel der Banken wird eingeschränkt. Geldhäuser mit staatlich versicherten Spareinlagen dürfen nur sehr begrenzt in Hedge- oder Private-Equity-Fonds investieren. Die Bankeinlagen sind künftig dauerhaft bis zu 250 000 Dollar von der US-Einlagensicherungsbehörde FDIC versichert.