Duisburg (dpa) - Nach der Katastrophe bei der Duisburger Loveparade verdichten sich die Hinweise auf fatale Fehler der Planer. Gegen die Stadt, die Polizei und den Veranstalter gab es neue massive Vorwürfe.

Einem Zeitungsbericht zufolge soll Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) die Parade trotz Bedenken von Feuerwehr und Polizei nur Stunden vor ihrem Beginn genehmigt haben. Loveparade-Organisator Rainer Schaller sagte der dpa, das Unglück könnte durch eine verhängnisvolle Anweisung der Polizei ausgelöst worden sein. Statt der Duisburger Polizei ermitteln jetzt die Beamten in Köln zur Aufklärung des Unglücks. Am Montag erlag eine 21-Jährige ihren Verletzungen - sie ist das 20. Todesopfer. Sauerland wehrte sich gegen Kritik und lehnte einen Rücktritt ab.

Nach Informationen der «Kölnischen Rundschau» (Dienstag) aus Kreisen der Polizei soll Sauerland die ordnungsbehördliche Erlaubnis erst am Samstagmorgen um 9 Uhr erteilt haben. Da waren aber schon unzählige Raver auf dem Weg zu der Party, bei der später 20 Menschen bei einer Massenpanik starben und Hunderte verletzt wurden. Noch am Freitag soll dem Bericht zufolge in verschiedenen Sitzungen über das Sicherheitskonzept debattiert worden sein. Dabei sollen die Duisburger Berufsfeuerwehr und Polizisten erneut deutlich gemacht haben, dass die Großveranstaltung so nicht stattfinden könne.

Schaller äußerte sich am Montag erstmals ausführlich zu der Katastrophe. So habe die Polizei die Anweisung gegeben, alle Schleusen vor dem westlichen Tunneleingang zu öffnen. Zuvor habe man bis 14 Uhr insgesamt 10 der 16 Schleusen geschlossen gehalten, weil bereits eine Überfüllung des Tunnels drohte. Dann aber sei der Hauptstrom der Besucher unkontrolliert in den Tunnel geströmt.

Das nordrhein-westfälische Innenministerium schaltete derweil die Polizei in Köln ein, um Befangenheit bei Duisburger Kollegen zu vermeiden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt. Es geht um mögliche Planungsfehler im Sicherheitskonzept der Techno-Party.

Ein internes Dokument aus Duisburg belegt nach Informationen von «Spiegel Online» Schwachstellen des Sicherheitskonzepts bei der Großveranstaltung. So habe der Veranstalter nicht die sonst vorgeschriebene Breite der Fluchtwege einhalten müssen. Zugleich sei das Gelände ausdrücklich nur für 250 000 Menschen zugelassen gewesen.

Der Tod der Technofans sorgte weiter für Schock und Trauer. In der Nähe der Unglücksstelle an einem Tunnel trauerten am Montag zahlreiche Menschen. Der Bürgersteig war gefüllt mit Grablichtern, Blumen, Plüschtieren und Briefen. Immer wieder wurde auch dort die Frage gestellt, ob die Planer ihre eigenen Ziele über die Sicherheit der Teilnehmer gestellt hatten.