London (dpa) - Das Internetportal Wikileaks sieht in den brisanten US-Militärdokumenten zum Einsatz in Afghanistan Hinweise auf Kriegsverbrechen. In den mehr als 90 000 Akten «scheinen Beweise von Kriegsverbrechen zu sein», sagte Wikileaks-Gründer Julian Assange am Montag vor Reportern in London.

Konkrete Beispiele nannte er aber nicht. «Es ist Sache eines Gerichts, wirklich zu entscheiden, ob am Ende etwas ein Verbrechen ist.» Das Portal veröffentlichte die Geheimakten aus den vergangenen sechs Jahre über den Militäreinsatz in Afghanistan.

Der Wikileaks-Chef verglich die Folgen dieser Veröffentlichung mit der Freigabe von Überwachungsprotokollen der DDR-Staatssicherheit. «Dies ist gleichbedeutend mit der Öffnung der Stasi-Archive.» Die nun veröffentlichten Militärakten über den Afghanistan-Einsatz würden zum Verständnis der jahrelangen Kämpfe am Hindukusch beitragen.

Das hohe Ausmaß der zivilen Opfer sei in den Afghanistan-Akten nicht korrekt dokumentiert, sagte Assange weiter. Mitarbeiter des US-Militärs hätten die Zahlen «heruntergespielt» oder als Opfer auf Seiten der Rebellen eingetragen.

Assange wies Kritik der USA zurück, die Veröffentlichung gefährde das Leben der in Afghanistan stationierten Soldaten. «Das gesamte Material ist mehr als sieben Monate alt. Insofern hat es für gegenwärtige Militäroperationen keine Konsequenzen.»

Afghanistan-Militärdokumente bei Wikileads

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