Münster (dpa) - Dass Frauen anders ticken als Männer, ist eine gefühlte Volksweisheit. Hirnforscher aber können dank moderner Forschungsmethoden mittlerweile auch zeigen, dass männliche und weibliche Gehirne tatsächlich unterschiedlich auf gleiche Reize reagieren.

Das sagt Prof. Bettina Pfleiderer von der Universität Münster. In einem Interview im Vorfeld des Weltärztinnenkongresses (28. bis 31. Juli) in Münster spricht die Medizinerin und Chemikerin über den Fortgang ihrer Forschungen. Für eine ihrer Studien erhielt sie 2005 den Wissenschaftspreis des Deutschen Ärztinnenbundes.

Auf welche Art und Weise haben Sie untersucht, dass in Gehirnen von Männer und Frauen unterschiedliche Verarbeitungsprozesse ablaufen?

Pfleiderer: «Zum einen kann man Gehirnaktivitäten mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie - kurz fMRT - beobachten. Weitere wichtige Faktoren sind beispielsweise noch der Hormonspiegel, die Menge an speziellen Stoffwechselprodukten und genetische Muster.»

Was fällt auf, wenn man anhand solcher fMRT-Bilder den Gehirnen von Mann oder Frau bei der Arbeit zuschaut?

Pfleiderer: «Auffällig ist zum Beispiel, dass beim Verarbeiten von Sprachreizen bei Frauen meist andere Hirnareale aktiv sind als bei Männern - bei Frauen sind es viel stärker vordere Bereiche der Großhirnrinde, deren Aktivität besonders durch weibliche Hormone wie Östrogen beeinflusst zu werden scheinen. Zu diesen Befunden passt die Beobachtung, dass Frauen deutlich häufiger Sprachstörungen aufweisen, wenn der Schlagfall mehr im vorderen Bereich der Großhirnrinde auftritt.»

Welche Schlüsse kann man aus den schon gewonnenen Erkenntnissen für eine mögliche Rehabilitation ziehen?