Musik Passionsspiel auf dem Grünen HügelSeite 2/2

Endgültig angenommen hat das Publikum die stark politisierende Inszenierung des Norwegers Stefan Herheim. Er mutet den Zuschauern viel zu. Verwundete Soldaten des Ersten Weltkrieges, Hakenkreuzfahnen und SS-Schergen, Trümmerfrauen, dazu Einblendungen von Gefechten - all das müssen die Zuschauer ertragen, ehe die aufwühlende Zeitreise in der friedlichen deutschen Nachkriegsdemokratie endet.

Genial erdacht und bühnentechnisch umgesetzt ist Herheims Versuch, dem Festspielbesucher selbst den Spiegel vorzuhalten. Tatsächlich holt der Regisseur mittels eines riesigen Spiegels den Zuschauerraum im 3. Akt auf die Bühne, sogar ein kurzer Blick in den ansonsten fürs Publikum unsichtbaren Orchestergraben wird freigegeben.

Am Ende - Parsifal hat den unsterblichen Amfortas durch die Berührung von dessen offener Wunde mit seinem Schwert endlich erlöst - spiegelt sich die Weltkugel als Symbol der Vereinen Nationen auf der Bühne. Und die Gralstaube, so scheint es, ist zur Friedenstaube geworden. Für seine politische Deutung des Erlösungsdramas erhielt Herheim viel Beifall und nur wenige Buhrufe - Begeisterung will beim Publikum aber auch im Jahr drei seiner Inszenierung nicht aufkommen.

 
  • Quelle dpa
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