Internet Diagnose Leichtgläubigkeit: Wenn SMS krank machenSeite 2/2

Mit anderen Worten: Die PR-Profis dachten sich Krankheiten aus - und suchten dazu passende Studien. Carroll hat damit kein Problem: «Ich war mit der Pressemitteilung zufrieden.» Denn in dem Text werde deutlich, dass Boost die Begriffe geprägt habe, nicht sie.

Carroll tat allerdings das ihre, um die Geschichte zu befeuern: Sie gab im australischen Rundfunk Interviews. «Das erlaubte mir, die Beziehung zwischen meiner Forschung und den von Boost benutzten Begriffen akkurat darzustellen», schrieb sie dpa. Das habe jedoch erst die australische und dann die internationale Presse fehlerhaft dargestellt. So ging das Komatexten um die Welt - erst in seiner englischen Version «binge texting», dann in der übersetzten Version.

Bei der Deutschen Presse-Agentur kamen nach der ersten Meldung bald Zweifel auf. Der ersten kurzen Meldung folgte ein längerer Text, in dem Mediziner das Ganze als «Quatsch» bezeichneten. Doch im Internet sind noch hunderte Texte zu finden, die auf eine kritische Einordnung verzichten.

Ein Unternehmen, das sich sensationell klingende Krankheiten ausdenkt. Eine Expertin, die die Nähe zur PR-Abteilung in Kauf nimmt. Und Journalisten, die zu spät nachfragen: So kommt eine Meldung in die Welt, die in den Papierkorb des Mail-Faches gehört hätte.

Als Urheber der Krankheiten kennt Boost Mobile übrigens auch die vermeintliche Therapie. Im Sozialen Netzwerk Facebook hat die Tochter des US-Anbieters Sprint Nextel eine Gruppe für «Textaholics» gegründet, also SMS-Süchtige. Wer dort auf das Button «Help is here» (Hilfe ist hier) klickt, gelangt auf eine Seite mit den aktuellen Tarifen: Ausgerechnet Niedrigpreise von einem Cent pro Standard-SMS sollen die Vieltexter kurieren.

 
  • Quelle dpa
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