Notfälle Report: 21 Kerzen für Loveparade-OpferSeite 2/2

In einer anderen Kirche trauert Katja Gräbert aus Wanne-Eickel. Dicke Tränen kullern über ihre Wange. Die 40-Jährige war während der Massenpanik im Tunnel und hatte sich in der vergangenen Woche komplett in ihre Wohnung zurückgezogen. «Für mich ist die Trauerfeier wie eine Beerdigung - wie ein persönlicher Abschluss», sagte die ganz in Schwarz gekleidete Frau. Der einzige Farbtupfer: ihr pink gefärbter Pony.

Ein paar Stunden später startete am Bahnhof ein Trauerzug zum Unglücksort im Tunnel. Was als kleine Aktion angemeldet war, schwoll zu einem langen Zug mit 5000 Trauernden an. 

Auch am Sonntag waren 500 Duisburger in einem Gedenkmarsch unterwegs zum Unglücksort, stellten einen großen Kranz auf und legten Blumen nieder. Die Tragik des Unglücks und das Mitleid für Angehörige und Verletzte stand den Menschen ins Gesicht geschrieben. Viele weinten. Der 83 Jahre alte Alt-Oberbürgermeister Josef Krings (SPD) sprach in einer kurzen Rede allen aus dem Herzen: In Duisburg, der gebeutelten Industriestadt, brauche keiner ein Held zu sein. «Hier werden Menschen gebraucht, die auch ihr Fehlverhalten offen bekennen», sagte er - und bekam langen Applaus.

Am Unglücksort wurden die offiziellen Trauerkränze aufgestellt. Die Bundeskanzlerin hat ein großes Gebinde in Schwarz-Rot-Gold geschickt. Daneben sind Kränze vom Bundespräsident, von der Ministerpräsidentin, der Stadt Duisburg, von Taxifahrern. Die schweren Blumengestecke stehen auf dem Bürgersteig, vor dem Tunnel, der zum Schauplatz der Katastrophe führt. Auch Bürger haben Sträuße mit breiten Trauerschleifen abgelegt - und mit eindeutigen Aufschriften: «Erst Friede, Freude, Eierkuchen - jetzt Trauer, Wut und Hass - Warum?».

 
  • Quelle dpa
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