Berlin (dpa) - Trotz anhaltender Kritik will Google bis Ende des Jahres seinen Kartendienst Street View auch in Deutschland starten.

Das Angebot mit der umfassenden Darstellung von Straßenzügen und Häusern wird zunächst für 20 Städte zwischen München und Hamburg eingeführt, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Mieter und Hausbesitzer sollen vorher mit einem Online-Formular die Gelegenheit bekommen, ihr Gebäude unkenntlich zu machen.

Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar kritisierte die Einführung des Internet-Dienstes als überstürzt. «Die Leute wissen gar nicht, was sie da erwartet», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Daher sei es nicht sinnvoll, die Zeit für Widersprüche vor Einführung des Kartendienstes so knapp zu befristen. Auch gebe es keine klare Leitlinie für den Umgang mit den Daten von Widerspruchsführern. Der für Google zuständige Datenschutzbeauftragte kritisierte zudem, dass bislang keine telefonische Hotline von Google für Anfragen von Bürgern geplant sei.

Die Bewohner der 20 Städte mit dem Street-View-Angebot sollen ab nächster Woche die Möglichkeit bekommen, mit einem Online-Formular Widerspruche gegen die Darstellung ihres Gebäudes anzumelden. Das Bild des entsprechenden Hauses wird dann mit einer «Blurring»-Technik unkenntlich gemacht, so dass es nur noch schemenhaft zu sehen ist.

Die Entwicklung des Online-Werkzeugs für das Einlegen von Widersprüchen sei eng mit dem Hamburgischen Datenschutzbeauftragten Caspar abgestimmt worden, sagte der Google-Beauftragte für den Datenschutz in Deutschland, Per Meyerdierks. «Die Zusammenarbeit läuft aus meiner Sicht sehr gut.»

Die Bearbeitung der Widersprüche werde einige Wochen in Anspruch nehmen, sagte Google-Sprecherin Lena Wagner. Danach werde das Angebot online gestellt. «Wir hoffen, dass dies im November der Fall sein wird.»

Mit einer Anzeigenkampagne will Google für das neue Angebot werben und dabei auch auf die Datenschutzbedenken eingehen. Den Nutzen von Street View sieht das Unternehmen in der «Möglichkeit, vor Ort zu sein, als wäre man dort». Dies sei bei der Planung eines Umzugs ebenso interessant wie bei für touristische Zwecke. «Es ist die Vision von Google, das Internet auf eine Karte zu bringen», sagte der zuständige Google-Produktmanager Raphael Leiteritz.