Berlin (dpa) - Eine junge Frau führt ein Kind über den Zebrastreifen am Pariser Boulevard Raspail. Ihre Gesichter sind unscharf, aber Google Street View dokumentiert für alle Welt, dass die beiden im Frühling an diesem Ort waren - die Kastanienblüte ist gerade vorbei.

Ein paar Schritte weiter zeigt Google, dass im prachtvollen Eckhaus das Fenster im zweiten Stock offen steht. Solche Details werden bis Ende des Jahres auch vom Hamburger Jungfernstieg oder von Omas Häuschen am Stadtrand von München zu sehen sein.

Die Street-View-Autos von Google haben seit Sommer 2008 für 20 Städte in Deutschland jeweils mehrere zehntausend Fotos in einer 360-Grad-Rundumsicht aufgenommen - in Hamburg, Berlin und München ebenso wie in Leipzig, Dresden oder Wuppertal. Jedes Foto wurde mit Geodaten versehen, also den genauen Längen- und Breitengraden. Diese Bilder wurden von Google zu einem riesigen Städtepuzzle zusammengefügt.

Ursprünglich wollte das Unternehmen den Dienst bereits im Frühjahr 2009 starten. Wegen heftiger Kritik verzögerte sich die Einführung. «Von dieser Kamerahöhe aus gucken Sie bis in die Schlafzimmer», sagte im Oktober 2008 der Kommunalpolitiker Reinhold Harwart in der Gemeinde Molfsee bei Kiel. «Da hört für mich der Spaß auf.» Jeder Kriminelle könne dann mit dem Laptop auf den Knien seinen nächsten Einbruch planen.

Datenschützer räumen ein, dass zwar jeder auf der Straße fotografieren darf. Mit der massenhaften Veröffentlichung umfassender Straßenbilder bekommt der weltweite Einblick in das private Wohnumfeld aber eine ganz andere Dimension.

«Wir nehmen die Bedenken um das Produkt sehr ernst», versichert der zuständige Google-Manager Raphael Leiteritz. «Aber der Nutzen ist bislang nicht gut rübergekommen.»

Wofür also ist Google Street View gut? Vor einem Umzug oder auch vor einem geplanten Restaurantbesuch kann man anschauen, wie die Umgebung aussieht. So lässt sich etwa überlegen, wo man am besten parken kann. Google will auch bestimmte Orte in Street View mit Informationen ergänzen - bei einem Restaurant könnten das etwa Öffnungszeiten und Speisekarte sein, erklärt Leiteritz.