New York (dpa) - Die Branchengrößen Google und Verizon machen sich für die Beibehaltung der Verkehrsregeln im Internet stark. Kein Inhalteanbieter soll danach gegenüber einem anderen bevorzugt werden.

Der Internetkonzern und der Telekomriese veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung zur sogenannten Netzneutralität. Die soll im besten Fall als Grundlage für eine Gesetzgebung in den USA dienen.

«Das nächste YouTube, das nächste soziale Netzwerk braucht ein offenes Internet», sagte Google-Chef Eric Schmidt am Montag in einer gemeinsamen Telefonkonferenz. Nur dank der Gleichberechtigung aller Teilnehmer habe das Internet in Vergangenheit überhaupt einen derartigen Erfolg haben können.

Allerdings bauten die Konzerne zwei Hintertürchen ein: Zum einen wollen sie «zusätzliche Online-Dienste» von ihrem Aufruf ausgenommen wissen. «Stellen sie sich vor, die New Yorker Oper wollte alle ihre Aufführungen übers Internet übertragen, in 3D», versuchte Verizon- Chef Ivan Seidenberg ein Beispiel zu geben. Wie weit die Ausnahmen gehen und wie sie im einzelnen aussehen sollen, ließen die Unternehmen aber offen.

Zum anderen klammerten sie das boomende mobile Internet aus. «Mobilfunk ist eine andere Sache», sagte Seidenberg. Hier sei noch zu viel im Fluss. Zu viele Regeln schadeten da nur. Die Mobilfunkanbieter besonders in den USA schaffen es derzeit kaum, ihre Netze im gleichen Maße auszubauen, wie neue Smartphones verkauft werden und damit der Datenverkehr ansteigt. Es kommt deshalb immer wieder zu Engpässen und Ausfällen.

Die Hintertürchen führten dann auch zur Kritik an dem Konzept. Einige Experten sehen die Gefahr, dass letzten Endes doch ein Internet der zwei Klassen entsteht: Für die, die sich hohe Datenraten leisten können, und für den Rest. «Stellen Sie sich eine Welt vor, in der ABC, Comedy Central, MTV und ähnliche Marken auf irgendeinem anderen Netz laufen, und dann gibt es da dieses offene Internet», sagte der ehemalige Präsident des sozialen Netzwerks MySpace, Jason Hirschhorn, der «New York Times».

Bislang übermitteln die Netzanbieter die Datenpakete zwischen allen Internetteilnehmern völlig gleichberechtigt. Die Telekomfirmen beschweren sich aber immer lauter darüber, dass sie ihre Dienste zur Verfügung stellen, ohne von großen Internetfirmen dafür honoriert zu werden. Dabei stehen Angebote wie das Videoportal YouTube von Google im Fokus, weil die übertragenen Datenmengen hier besonders groß sind.