Ulm/Jerusalem (dpa) - Deutlich früher als ursprünglich geplant hat die Vermögensverwaltung der Merckle-Gruppe den Verkauf des Generika-Herstellers Ratiopharm abgeschlossen.

Damit wurden fast alle Schulden getilgt und eine «kerngesunde Holdinggesellschaft» in Familienhand geschaffen, wie die VEM Vermögensverwaltung am Dienstag zum Abschluss des Verkaufs an den israelischen Teva-Konzern mitteilte. Der Verkaufserlös sei mit mehr als 3,6 Milliarden Euro «bemerkenswert». Durch den Zusammenschluss entsteht ein Unternehmen mit mehr als 3500 Mitarbeitern in Deutschland.

VEM ist die Dachgesellschaft des Merckle-Imperiums und hatte für die Entschuldung unter anderem Ratiopharm verkaufen müssen. Bisher war geplant gewesen, den Ratiopharm-Verkauf bis zum Jahresende abzuwickeln.

Dass der Verkauf so positiv verlaufen würde, sei zu Beginn der Restrukturierungen und Verkäufe Anfang 2009 noch nicht absehbar gewesen. «Dass wir heute mit Teva einen soliden Käufer haben, der Ratiopharm als Ganzes übernimmt und einen angemessenen Kaufpreis entrichtet, haben viele nicht für möglich gehalten», sagte Elmar Geissinger, Verantwortlicher für die Finanzen der Merckle/Ratiopharm-Gruppe, laut Mitteilung.

Mit der Übernahme soll Ulm Deutschlandzentrale der Teva Europe und auch Standort für weitere «zentrale Funktionen» werden, wie Ratiopharm mitteilte. Neuer Chef des Unternehmens wird Sven Dethlefs. Der bisherige Vorsitzende der Geschäftsführung, Oliver Windholz, soll die Integration begleiten und das Unternehmen zum Jahresende verlassen. In den Bereichen Produktion und Forschung/Entwicklung soll es keine Änderungen geben.

Teva hatte nach einem monatelangen Bieterrennen Mitte März den Zuschlag für Ratiopharm erhalten. Der Ulmer Hersteller von Nachahmer-Medikamenten gehörte zum Imperium des Firmenpatriarchen Adolf Merckle, der sich im Januar 2009 das Leben nahm. Im Zuge der Finanzkrise hatte der Zusammenbruch seines Firmengeflechts gedroht.

Mit dem Verkaufserlös für Ratiopharm waren auch die Schulden der VEM beim zur Gruppe gehörenden Pharmagroßhändler Phoenix vom Tisch, hatte Ziems im März erklärt. Finanziellen Spielraum hatte sich der neue Merckle-Chef Ludwig Merckle auch durch den Verkauf von Anteilen an HeidelbergCement verschafft. Auf dem Höhepunkt der Finanzschwierigkeiten der Dachgesellschaften VEM und Spohn Cement hatten sich Schulden von rund fünf Milliarden Euro angesammelt. Die Merckle-Gruppe beschäftigt heute direkt und über VEM-Beteiligungen rund 100 000 Mitarbeiter.