Rom (dpa) - Cesare Prandellis Trainerdebüt ist missglückt, Italiens Talfahrt geht weiter. Nach dem WM-Debakel in Südafrika verlor der entthronte Weltmeister ein Testspiel in London gegen die Elfenbeinküste mit 0:1.

Damit blieb die erhoffte Wende für die neu formierte Mannschaft aus und der viermalige Champion in diesem Jahr weiterhin ohne Sieg. «Das wird ein langer Weg», prophezeite «Tuttosport» den Azzurri.

Kolo Touré hatte die mit dem Hamburger Guy Demel angetretenen Ivorer in der 55. Minute zum verdienten Sieg geschossen. Prandelli nahm die schwache Vorstellung seiner Mannschaft gelassen. «Vielleicht ist die Niederlage ja ein gutes Omen», meinte der 52-Jährige. Schließlich sei auch sein Vorgänger Marcello Lippi 2004 mit einer Pleite in sein Nationaltraineramt gestartet, dann aber 2006 in Deutschland Weltmeister geworden.

Lippis Nachfolger wurde in Italien kein Vorwurf gemacht: «Nichtmal ein Zauberer hätte mehr erreichen können», räumte die «Gazzetta dell Sport» ein. Schließlich hatte Prandelli gerade mal zwei Tage Zeit, um mit der neu formierten Mannschaft zu arbeiten, die zudem durch die Saisonvorbereitung ausgelaugt war. Außerdem fehlten Stars wie Torwart Gianluigi Buffon und Spielmacher Andrea Pirlo. «Es ist schwer, ein Team in nur zwei Tagen zu formen», bat Prandelli um Geduld.

Am Willen zum Neuanfang mangelte es in London nicht. «Meinen Spielern habe ich nichts vorzuwerfen», sagte Prandelli, der nur noch neun WM-Spieler berufen hatte und gegen die Ivorer insgesamt fünf Debütanten aufbot. Darunter den eingebürgerten brasilianischen Stürmer Amauri, Inter Mailands «Enfant terrible» Mario Balotelli und den Stuttgarter Verteidiger Cristian Molinaro. Alle drei blieben blass. Nur der von Lippi hartnäckig ignorierte Mittelfeldspieler Antonio Cassano von Werder Bremens Champions League-Gegner Sampdoria Genua wusste zu gefallen. «Antonio war sehr gut», lobte Prandelli.

Von ihrer einstigen Klasse aber war die «Squadra Azzurra» meilenweit entfernt. «Wir müssen spielerisch besser werden und mehr Mut haben», räumte auch der ehemalige Trainer des AC Florenz ein. Am 3. September wird es für Prandelli und sein neu formiertes Team ernst. Dann steht Italien im EM-Qualifikationsspiel gegen Estland unter Erfolgsdruck. «Da müssen wir ein gutes Ergebnis erzielen», weiß Prandelli, dass ganz Italien seinen ersten Sieg als Nationalcoach erwartet.