Düsseldorf (dpa) - Joachim Löws «Jugendkult» kommt nicht von ungefähr: Er ist Resultat eines Fußball-Trends - nicht neu, aber bemerkenswert. Immer mehr setzen deutsche Vereine auf eine hervorragende Ausbildung und möglichst schnelle Integration eigener Talente in die Profiteams.

Dieter Hoeneß, Manager des VfL Wolfsburg, sagt es stellvertretend für alle: «Die Nachwuchsarbeit hat für uns eine immense Bedeutung.» Thomas Müller und Holger Badstuber sind vielleicht die besten aktuellen Beispiele: Bayern Münchens Trainer Louis van Gaal will nicht nur «fertige» Profis wie Franck Ribéry oder Arjen Robben kaufen. Er gibt den Jungen die Gelegenheit. Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger: «Die Chance war noch nie so groß wie unter van Gaal, weil er nicht nur ein Jugendkonzept predigt, sondern es auch umsetzt.»

Van Gaal schaue nicht auf Reputation oder Ablösesumme, sondern gehe nur nach Leistung, rühmt Nerlinger die Vorgehensweise des Trainers. Müller und Badstuber waren es in der vergangenen Spielzeit, aktuell genießt Diego Contento aus der Bayern-Jugend als Linksverteidiger einen hohen Stellenwert im Bayern-Konzept.

Van Gaal macht es vor: Er stärkt den Jungen den Rücken, lässt sie selbst bei schlechteren Leistungen nicht fallen. «Das ist seit Jahren auch die Strategie unseres Clubs, die nachweislich zum Erfolg geführt hat», sagte Bayer Leverkusens Trainer Jupp Heynckes der Nachrichtenagentur dpa in einer Befragung. René Adler, Gonzalo Castro, Stefan Reinartz - das sind Heynckes' Protagonisten.

Die Erfolge deutscher Teams bei Nachwuchs-Europameisterschaften oder der forsche Auftritt der Löw-Schützlinge in Südafrika sind laut Christian Seifert «zu großen Teilen auf die Nachwuchsarbeit der Liga zurückzuführen». Das sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL) der «Sport Bild». Seit 2002 sei durch die Profivereine eine halbe Milliarde Euro in die Nachwuchszentren investiert worden.

Und es lohnt sich. Ob U 21, U 19 oder U 17 - die Titelgewinne der jüngeren Vergangenheit sprechen für sich. Auch finanziell können die Clubs profitieren, wie das Beispiel VfB Stuttgart mit den Millionen-Transfers von «Eigengewächsen» wie Mario Gomez (zum FC Bayern München) oder jüngst Sami Khedira (zu Real Madrid) belegt. Fünf Millionen Euro stecken die Schwaben in den Talente-Bereich.

«Unter dem Strich sind Profis aus dem eigenen Nachwuchs auch günstige Spieler», sagt Dieter Hoeneß. Der Wolfsburger weiß indes um ein Dilemma: «Nachwuchsarbeit kostet vor allem Zeit» - wer keine Geduld hat, wird auch keine Rendite erzielen. Bei Borussia Mönchengladbach nimmt man sich seit Jahren Zeit. «Nicht aus Geldmangel, sondern wegen unserer "Fohlen-Philosophie"», sagt Michael Frontzeck.