Berlin (dpa) - Der Rechtsstreit zwischen der DEL und den Kassel Huskies hält auch die anderen deutschen Profiligen in Atem. Das für Ende August erwartete Urteil könnte sportartenübergreifende Auswirkungen haben, fürchten manche - vor allem, sollte das Oberlandesgericht Köln pro Kassel entscheiden.

«Das würde die Grundfeste des Profisports erschüttern», sagte Gernot Tripcke, Geschäftsführer der Deutschen Eishockey-Liga, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Auch Handballer und Basketballer warten gespannt auf das Urteil des OLG - und schließen Änderungen der Lizenzbestimmungen nicht aus.

Die DEL hatte den insolventen Hessen die Spielberechtigung für die neue Saison verweigert, ein angerufenes Schiedsgericht bestätigte die Entscheidung. Außerdem wurde Kassel als Gesellschafter aus der DEL ausgeschlossen. Mit mehreren einstweiligen Verfügungen haben sich die Huskies bislang erfolgreich gegen den Rausschmiss und den Lizenzentzug gewehrt.

«Wir sind überrascht, dass staatliche Gerichte in die autonome, gut funktionierende und bewährte Sportgerichtsbarkeit eingreifen und deren Entscheidungen außer Kraft setzen können», meinte Jan Pommer, Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL). Die Causa Kassel sei «problematisch für den Sport insgesamt». Gravierende Folgen für das Lizensierungsverfahren in der eigenen Liga werde der Fall nicht haben, prophezeit Pommer, der dennoch ankündigte: «Allerdings müsste man das Urteil daraufhin genauestens analysieren.»

Das empfiehlt auch Bob Hanning, Vize-Präsident der Handball- Bundesliga (HBL) und Geschäftsführer der Füchse Berlin. «Das Urteil wird auf die Schwachstellen des Lizensierungsverfahrens hinweisen.» Die Lizensierungskommission der HBL verfolge den Fall genau. Sollte am Ende rauskommen, dass es Mängel auch bei den Handballern gebe, «werden wir diese beseitigen müssen», meint Hanning.

Der Sportrechtler Christoph Schickhardt kann die Aufregung dagegen nicht nachvollziehen. Der Fall Kassel sei «eine reine Einzelfall- Entscheidung», Präzedenzcharakter hätte das am 26. August erwartete Urteil des OLG Köln überhaupt nicht. «Das interessiert keinen Menschen», sagte der prominente Fußball-Rechtsexperte der dpa.

Schickhardt, der den Fall in den Medien beobachtet, vermutet, dass bei der Einberufung oder dem Urteil des DEL-Schiedsgerichts Fehler gemacht wurden - sonst hätte eine Beschwerde vor einer staatlichen Instanz keine Erfolgsaussichten. «Wenn man es richtig macht, ist es nicht angreifbar», erklärte der Jurist. Als Vorbild nannte er unter anderem die Deutsche Fußball Liga (DFL), die sich zu dem Fall Kassel nicht äußerte. Sorgen müssten die sich ohnehin keine machen, denn für die DFL spiele das Huskies-Urteil «gar keine Rolle», so Schickhardt.