Frankfurt/Main (dpa) - Der Name Roter Stern war für den Verlag von Karl-Dietrich Wolff Programm: «Wir wollten politische Kampfbroschüren machen», erinnert sich der Verleger an den Spätsommer 1970.

Aus der Revoluzzerfirma des heute 67-Jährigen, der seit seiner Zeit als Chef des Sozialistischen Studentenbundes (SDS) nur «KD» genannt wird, ist der hoch geachtete Stroemfeld Verlag geworden. So groß ist das Renommee, dass das 40-jährige Bestehen mit einer Ausstellung gewürdigt wird, die am 13. August in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt beginnt.

Der Ort dafür scheint genau richtig: Denn der Verlag ist mit der Faksimile-Edition deutscher Klassiker wie Hölderlin oder Kafka auch international bekanntgeworden. Schon kurz nach der Gründung hatte sich Wolff, der dem undogmatischen SDS-Flügel angehörte, von den alten Kampfgefährten entfernt. «Wir haben uns mit allen Leuten verkracht», sagt er. Als dann 1975 der erste Band der Hölderlin- Edition erschien, trudelten viele böse Briefe beim Verlag ein. Der sitzt seit 1970 in einem Altbau im Frankfurter Nordend.

Doch auch nach seiner Wende blieb der Verlag, der 1970 mit Titeln wie «Erziehung und Klassenkampf» begonnen hatte, für die Nach-68er- Bewegung wichtig. Das Kultbuch «Männerphantasien» über männliche Wünsche und Ängste von Klaus Theweleit, einem alten SDS-Freund von Wolff, bescherte Ende der 1970er Jahre dem Verlag einen millionenfach verkauften Bestseller. Es blieb aber der einzige.

1993 meldete «Roter Stern» Konkurs an. Doch als Nachfolger stand der Stroemfeld Verlag bereit, den Wolff bereits 1979 in Basel und später in Frankfurt gegründet hatte. Zum Taufpaten wurde Hölderlin. Der Name Stroemfeld bezieht sich auf handschriftliche Notizen des Dichters. Der Rote Stern wurde immerhin als Logo beibehalten.

KD Wolff, ein bedächtiger Mann, hat einen langen Atem: Nach 33 Jahren wurde 2008 das in Fachkreisen hochgelobte Hölderlin-Projekt mit dem 20. Band abgeschlossen. Die vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Robert-Walser-Ausgabe wurde im selben Jahr begonnen, in diesem Jahr steht die Gottfried-Keller-Edition vor dem Abschluss. Mit der Kafka-Edition - die Faksimile-Ausgabe sämtlicher Romane mit Handschriften - wurde 1995 begonnen. Dafür kalkuliert Wolff, der inzwischen auch das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, noch mindestens 20 Jahre ein.

Auch mit dem Internet-Riesen Google, der im großen Stil Bücher aus Bibliotheken einscannt, hat sich der kampferprobte Wolff angelegt. Der von ihm mitinitiierte «Heidelberger Appell» hat in der Auseinandersetzung mit Google das Thema Urheberrechtsschutz für Autoren bundesweit zum Thema gemacht. Dafür gewann er auch die Unterstützung der Bundesregierung.