Paris (dpa) - Buße für Frankreichs Fußball-«Sünder»: Die «Skandal- Kicker» um FC-Bayern-Star Franck Ribéry sind gut eineinhalb Monate nach ihrem desaströsen Auftreten bei der WM in Südafrika mit zum Teil drastischen Sperren zur Rechenschaft gezogen worden.

Am schlimmsten erwischte es Chelsea-Stürmer Nicolas Anelka, der von der Disziplinarkommission des Fußball-Verbandes FFF in Paris für 18 Länderspiele ausgeschlossen wurde. Ribéry muss drei Spiele zuschauen und kann erst wieder im Oktober im Trikot der «Équipe tricolore» auflaufen.

WM-Kapitän Patrice Evra von Manchester United wurde für fünf Begegnungen gesperrt. Jérémy Toulalan von Olympique Lyon kam mit einer Ein-Spiel-Sperre davon. Der neue Nationaltrainer Laurent Blanc muss somit beim EM-Qualifikationsspiel am 3. September gegen Weißrussland auf die vier gesperrten Spieler verzichten. Beim zweiten Spiel in Bosnien darf wenigstens Toulalan wieder berücksichtigt werden. Blanc hatte die 23 WM-Fahrer für das jüngste Freundschaftsspiel in Norwegen (1:2) gesperrt, sich aber ausdrücklich gegen weitere Strafen ausgesprochen.

Der FFF hatte neben Ribéry, Anelka, Toulalan und Evra sowie auch den nicht bestraften Eric Abidal wegen ihrer mutmaßlich führenden Rolle beim berüchtigten Trainingsboykott bei der WM in Südafrika zu einer letzten Anhörung am Verbandssitz zitiert. Ribéry wurde allerdings von Anwälten vertreten, da sein Verein FC Bayern München ein Erscheinen untersagt hatte. Auch Anelka präsentierte sich nicht. Als Zeugen wurden unter anderem auch WM- Trainer Raymond Domenech und der nach der Blamage zurückgetretene Verbandsboss Jean-Pierre Escalettes befragt.

Die Spieler der «Équipe tricolore» hatten am 20. Juni im WM- Quartier in Knysna mit einem Trainingsstreik gegen den Ausschluss von Anelka protestiert. Der 31 Jahre alte Stürmer war vorzeitig nach Hause geschickt worden, weil er Domenech in der Halbzeit des Mexiko- Spiels (0:2) wüst beschimpft hatte. Der Weltmeister von 1998 schied inmitten weiterer Querelen nach der Vorrunde sieglos aus.

«Die Spieler schienen die Vorfälle ehrlich zu bedauern», meinte nach der Anhörung der ebenfalls als Zeuge befragte WM-Delegationsleiter Jean-Louis Valentin gegenüber Medien. Alle seien sich darüber im Klaren, dass sie «Mist gebaut» hätten. Jeder verdiene aber die Chance einer Wiedergutmachung, fügte Valentin an. Zwischen den Spielern, Domenech und den Funktionären habe es am FFF-Sitz einen «sehr guten» und zum Teil «bewegenden Dialog» gegeben. Die skandalösen Vorfälle von Knysna dürften sich aber nie wieder wiederholen. Andere Stellungnahmen gab es zunächst nicht.

Die WM-Fahrer waren bereits finanziell bestraft worden, weil der Verband die abgesprochenen Zahlungen für den Einsatz in Südafrika wegen der Skandale gestrichen hatte. Nicht wenige Prominente aus Politik und Fußball hatten in Frankreich für weitere harte Strafen gegen die Hauptverantwortlichen des WM-Fiaskos plädiert.