Essen (dpa) - Und wieder ein banges Wochenende für Karstadt: Bis zu diesem Sonntag um 24 Uhr muss der Vertrag zur Übernahme der Warenhauskette durch den Investor Nicolas Berggruen unterzeichnet sein. Doch Berggruen ist wohl noch nicht soweit.

Um eine Zerschlagung abzuwenden, könnte das Essener Insolvenzgericht am Dienstag abermals Aufschub gewähren. Der Sprecher des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg, Thomas Schulz, sagte am Samstag, Berggruen müsse sich an diesem Wochenende beim Notar melden. Schulz bestätigte erneut, dass der Gläubigerausschuss eine Kaufofferte des italienischen Warenhausbetreibers Maurizio Borletti am Donnerstag «sehr schnell verworfen» und ihm dies auch unmissverständlich mitgeteilt habe.

Woran es derzeit noch hapert, sind die Mietbedingungen für Berggruen. Der deutsch-amerikanische Investor verlangt vom Vermieterkonsortium Highstreet eine deutliche Mietminderung. Highstreet ist dazu grundsätzlich bereit, hat aber Dutzende Gläubiger, die alle ihr Einverständnis geben müssen. Befürchtet wird, dass Highstreet es nicht schafft, bis zum Fristablauf am Sonntag um 24 Uhr das neue Vertragswerk abzuliefern.

Berggruen müsste dann beim Notar den Kaufvertrag als nicht vollzogen angeben. Sollte er dabei noch gute Chancen auf einen späteren Vollzug sehen, könnten die Beteiligten versuchen, beim Insolvenzgericht Essen eine Fristverlängerung zu erwirken. Dann bekäme Highstreet mehr Zeit, um die Unterschriften zusammenzubekommen.

Nach dpa-Informationen hat der Karstadt-Gläubigerausschuss am vergangenen Donnerstag in Essen bereits einen sogenannten Vorratsbeschluss getroffen. Dieser Beschluss versetzt Insolvenzverwalter und Insolvenzgericht in die Lage, die Frist am kommenden Dienstag noch einmal zu verlängern.

Metro-Chef Eckhard Cordes macht sich derweil auch noch immer Hoffnungen auf Karstadt. Er will Karstadt weiterhin mit Metros Kaufhofkette zusammenlegen. In der «Welt am Sonntag» sagte er, für zwei Ketten sei der deutsche Markt einfach zu klein. «Irgendwann wird es zu einem Zusammenschluss kommen, wann und unter welchen Umständen auch immer.» Sinnvoll wäre sogar ein europäischer Zusammenschluss.

«Eine solche wie auch immer geartete europäische Warenhausallianz hätte viel Charme», meinte Cordes. Gleichzeitig wandte er sich gegen die Auffassung, das Konzept Kaufhaus sei generell überholt. «Es gibt riesige Renditeunterschiede zwischen den Häusern derselben Ketten in Deutschland. Und zumeist sind diese Unterschiede wesentlich vom Standort geprägt. Wenn man sich auf die guten Plätze konzentriert, kann man auch mit Warenhäusern in Deutschland gutes Geld verdienen.»