Dresden/Bad Muskau (dpa) - Nach der Hochwasserkatastrophe wird Kritik an polnischen Behörden laut: Sie hätten schlecht informiert. Die Menschen in Brandenburg warten unterdessen mit Bangen auf die von Süden heranrollende Flut. In Sachsen hat das Aufräumen begonnen.

Flutopfer schaufeln Schlamm aus Häusern, Politiker beraten über Hilfen und Wetterexperten sehen neuen Regen kommen: Während das verheerende Hochwasser am Montag im Dreiländereck von Deutschland, Polen und Tschechien langsam zurückging, rollt die Hochwasserwelle nach Norden. Am Montag passierte der Scheitel der Neiße das sächsische Bad Muskau. Ein Teil des dortigen Fürst-Pückler-Parks, der zum Unesco-Welterbe gehört, stand unter Wasser. In Brandenburg rüsten sich die Behörden für das Schlimmste. Allerdings hofften die Experten, dass die Fluten in Spree und Neiße nicht so dramatisch steigen wie in Sachsen.

Zwei vor Bad Muskau in Sachsen liegende Dörfer wurden Montag überflutet, die Deiche brachen unter dem Druck des Hochwassers. Etwa 80 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Dann überflutete das Wasser etwa die Hälfte des Schlossparks. Gebäude waren zuvor mit Sandsäcken geschützt, wertvolle Gegenstände und Technik in Sicherheit gebracht worden. «Der Scheitel ist durch», sagte Andreas Johne vom Katastrophenschutzstab.

Beim schlimmsten Hochwasser seit 2002 waren am Wochenende im Dreiländereck mindestens neun Menschen ertrunken - drei davon in Sachsen. In Tschechien wurde weiter ein Mann vermisst. Auch in Polen gab es noch Vermisste. Vielerorts gab es Millionenschäden - eine Gesamtsumme war aber noch nicht bekannt. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) schätzte, dass sich die Schäden der am Samstag über Teile des Freistaates hereingebrochenen Flut in einem dreistelligen Millionenbereich bewegen werden.

Am Montag ging für manche Flut-Geschädigte in Sachsen schon das große Aufräumen los: Die Menschen schleppten eimerweise Schlamm aus den Häusern und holten Baumstämme aus Gebäuden, die die reißenden Fluten hineingeschwemmt hatten.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) stellte den Opfern Hilfe in Aussicht. Zunächst müsse man aber klären, wer versichert sei und wer nicht, schränkte er bei einem Besuch beim Bombardier-Werk in Bautzen ein. Die Produktion im Werk des Bahntechnikherstellers musste gestoppt werden. Die Spree hatte nach einem Deichbruch am Wochenende teils bis zu 1,50 Meter hoch in Gebäuden gestanden. Im Werk begannen Aufräumarbeiten, um die Produktion schrittweise anfahren zu können.

Zugleich äußerte de Maizière Kritik an den polnischen Behörden. «Meine sächsischen Kollegen haben berichtet, dass die Vorhersagen verbesserungsfähig sind», sagte der Bundesinnenminister der Nachrichtenagentur dpa. Die deutsche Seite werde sicher Gelegenheit haben, «das mit den Polen für das nächste Mal so zu besprechen, dass die Zusammenarbeit da noch reibungsloser wird».