Bad Muskau/Bautzen (dpa) - «Wie an der Ostsee», sagt eine Frau in Bad Muskau und blickt auf das reißende Wasser der Neiße. Tatsächlich liegt das deutsch-polnische Grenzstädtchen im Osten von Sachsen gut 400 Kilometer vom Meer entfernt.

Die Neiße ist hier normalerweise ein ruhiger Fluss. Doch an diesem Montag ist alles ganz anders. Das Wasser hat den berühmten Fürst-Pückler-Park überflutet, es ist viel Wasser und steht auf großer Fläche. Pücklers Park ist Unesco-Kulturerbe und gehört damit allen.

Bürgermeister Andreas Bänder geht aber davon aus, dass sich die Schäden in Grenzen halten. Ein Teil des Parks gilt als natürlicher Flutungsraum.

«Nein, wir haben im Keller keine Ölgemälde liegen», sagt Parkmeister Bernd Witzmann. Kollegen von ihm hatten schon am Samstag wertvolles Inventar aus gefährdeten Räumen geborgen.

Auch der Technikhof mit Traktoren und anderem für die Parkpflege notwendigem Gerät wurde rechtzeitig geräumt. Dennoch ist Witzmanns Arbeitsplatz ein einziges Wassermeer. «Mindestens die Hälfte des Schlossparks ist überflutet», schätzt er. Denn den genauen Pegelstand kennt keiner mehr. Das Messgerät wurde überflutet. Wann Witzmann wieder in seinen Park kann, steht derzeit in den Sternen. Der Bürgermeister rechnet damit, dass die Neiße 12 Stunden auf diesem Niveau weiterströmt.

Dennoch wirkt die Atmosphäre in Bad Muskau entspannt. Das mag auch am Sonnenschein liegen, der genau wie am Tag zuvor in der Sächsischen Schweiz die Katastrophe in ein sanftes Licht taucht.

Im Kulturhotel Fürst Pückler am Marktplatz herrscht Hochbetrieb - die Betten sind vor allem mit Bundespolizisten belegt. Inhaber Bernd Geisler muss das alles wie ein schlechter Traum vorkommen. 2002 zur Jahrhundertflut hat er in Bad Schandau an der Elbe ein Erlebnisbad geleitet und wurde so zum Flutopfer. Jetzt befindet sich das Wasser wieder in Reichweite. Geisler hofft darauf, dass er trockene Füße behält. Nur der elektrische Strom soll noch am Montag abgeschaltet werden.