Frankfurt/Main (dpa) - Die Kapitäne fehlen - trotzdem sind Michael Ballack und Philipp Lahm irgendwie mit an Bord des DFB-Charters nach Kopenhagen. Wenn Joachim Löw mit seinem Not-Team von Frankfurt/Main zur ersten Länderspiel-Reise der neuen Saison abhebt, ist die Häuptling-Debatte allgegenwärtig.

«Es spielt keine Rolle, was mein Gefühl ist», übermittelte der wie die meisten der WM-Stars der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Dänemark-Test geschonte Lahm aus München. Die heiß diskutierte Kapitäns-Frage hatte der WM-Leader mit seinem Wunsch auf eine längere Amtszeit schon in Südafrika angeheizt. «Ich habe meine Meinung dazu gesagt. Ich habe geäußert, dass ich gerne Kapitän bleiben würde, weil dieses Amt sehr viel Spaß macht», erneuerte der 26-jährige Lahm jetzt.

Ballack, der das Wintermärchen am Kap wegen einer Fußverletzung verpasst hatte, war vom Status Quo auch durch Lahms WM-Rolle als Spielführer keinen Zentimeter abgerückt: «Ich bin Kapitän.» In Dänemark könnte Thomas Hitzlsperger als Mann mit den meisten Länderspielen (51) nach dem Frust über seine WM-Nichtberücksichtigung die Spielführer-Binde tragen.

Bundestrainer Löw und seine auf 16 Dänemark-Fahrer verkleinerte Gruppe - darunter nur sieben WM-Spieler - mochten sich vor dem Spiel gegen den WM-Teilnehmer zumindest öffentlich mit den Ballack-Lahm-Differenzen nicht auseinandersetzen. «Jetzt diskutieren wir sowieso nicht, weil sie nicht dabei sind», sagte Manuel Neuer beim Treffen in Frankfurt. Wegen eines grippalen Infekts musste der Gladbacher Neuling Marco Reus seinen Flug kurzfristig absagen.

Die wenige Zeit sollte vor allem dazu dienen, aus dem bunten Haufen von WM-Reservisten, Rückkehrern und dem Wolfsburger Neuling Sascha Riether ein halbwegs strukturiertes Team zu formen. Von der ersten gemeinsamen Übungseinheit auf der kleinen Kampfbahn des Frankfurter Stadions am Montagabend bis zum Anstoß im «Parken»-Stadion von Kopenhagen blieben Löw und seinem Not-Personal gerade einmal 50 Stunden zur Schulung und zum gegenseitigen Beschnuppern.

Der Bundestrainer versuchte der unerfahrenen Truppe beim Training am Montagabend seine taktischen Vorstellungen zu vermitteln. Mehrmals rief er das Team für Erklärungen zusammen. Im Trainingsspielchen empfahl sich Hitzlsperger für die Rolle im zentralen Mittelfeld. Mit vier Toren zeigte sich der Ex-Stuttgarter dazu auch noch treffsicher. Mario Gomez traf dreimal.

Löws Auserwählte möchten im 25. Vergleich mit dem nördlichen Nachbarn aus der Not eine Tugend machen und die Schonzeit für das geschlauchte WM-Stammpersonal nutzen. «Wir wollen das Spiel gewinnen, auch wenn wir eine Mannschaft sind, die noch nie zusammen gespielt hat», erklärte Gomez, für den die Südafrika-Safari persönlich wie schon seine Vorsaison-Rolle beim FC Bayern eine Enttäuschung war. «Ich freue mich auf das Spiel. Für mich ist es die Chance, womöglich ein Länderspiel über 90 Minuten zu machen», verdeutlichte der 25-jährige Gomez die besondere Motivation.