Hamburg (dpa) - Ist das Hochwasser im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien schon eine Folge des Klimawandels? Das lässt sich erst Jahre später in der Rückschau einordnen, sagt Klimaforscher Stefan Hagemann vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Aber extreme Wetterereignisse werden häufiger werden, erläuterte der Forscher am Montag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Verheerendes Hochwasser in Deutschland und Polen, katastrophale Überschwemmungen in Pakistan, Indien und China, unzählige Brände in Russland - sind das die Folgen des Klimawandels?

Hagemann: «Wir gehen schon davon aus, dass mit der globalen Erwärmung extreme Ereignisse sehr viel häufiger auftreten werden. Dürre oder Trockenheit wird zum Beispiel im Sommer öfter vorkommen. Was extreme Niederschläge angeht, sind die Aussagen noch unsicher, aber wir gehen davon aus, dass das generell mehr werden könnte, gerade über Europa. Selbst wenn der Niederschlag im Sommer im Mittel zurückgehen sollte: Wenn es denn mal regnet, kann es durchaus stärker regnen.»

Gibt es andere Faktoren, die für die jüngsten Katastrophen verantwortlich sind?

Hagemann: «Natürlich spielt beim Hochwasser auch eine Rolle, dass zum Beispiel Flüsse begradigt wurden. Das verändert die Fließgeschwindigkeit und erhöht sie an manchen Stellen. Auch fehlende Auslaufflächen spielen eine Rolle, wo sich bei Hochwasser das Wasser auf Flächen ausbreiten kann, wo es keinen Schaden anrichtet.»

Wie wird sich der Klimawandel in Zukunft auf Deutschland auswirken?

Hagemann: «Wir gehen davon aus, dass es im Mittel wärmer wird, zwischen 2,5 bis 3 Grad je nach Gebiet. Der Gesamtniederschlag wird sich wohl kaum ändern. Im Winter wird er generell eher zunehmen, im Sommer eher abnehmen. Extreme Niederschläge könnten in der Tendenz aber zunehmen. Ob es Regionen gibt, die davon eventuell eher betroffen sind als andere, wird noch untersucht.»