Lissabon (dpa) - Dramatischer Schlussakt in Portugals Fußball-Seifenoper: Nationaltrainer Carlos Queiroz wurde im Rahmen einer Doping- und Schimpf-Affäre jetzt unsanft vor die Tür gesetzt.

Die fristlose Kündigung des 57-Jährigen gab der FPF-Verband am 9. September nach einer fünfstündigen Sondersitzung in Lissabon bekannt. Der Skandal um Queiroz war sogar zum Politikum geworden. Negative Geschichten wie diese «schaden dem Image des Landes», räumte Außenminister Luis Amado in Brüssel ein.

Die genauen Gründe für den Rauswurf wurden vorerst nicht bekannt. Die Entscheidung sei «aufgrund der jüngsten Ereignisse getroffen» worden, erklärte FPF-Präsident Gilberto Madail nur. Queiroz war vor zehn Tagen von der Anti-Doping-Agentur (ADoP) für sechs Monate gesperrt worden, weil er vor der WM eine Doping-Kontrolle der ADoP behindert haben soll. Dabei soll er die Kontrolleure wüst beschimpft haben, weil diese im Trainingslager um sieben Uhr morgens, wie er sagte, «die Privatsphäre meiner Spieler» gestört hatten.

Der im afrikanischen Mosambik geborene Queiroz stand jedoch seit langem vor dem Rauwurf. Madail ließ nun durchblicken, dass die Leistung der «Selecção» bei der WM dazu beigetragen haben dürfte. «In Südafrika wurden nicht alle Ziele erfüllt», betonte er. Portugal war zwar im Achtelfinale immerhin am späteren Weltmeister Spanien mit 0:1 gescheitert. Die defensive Spielweise der «Lusos» soll aber nicht nur Fans, Ex-Stars und Medien, sondern auch die Nationalspieler um Weltstar Cristiano Ronaldo, viele FPF-Funktionäre verärgert haben - und auch Politiker.

Böse Zungen behaupten, Queiroz sei von der Regierung zu Fall gebracht worden. «Er (Sport-Staatssekretär Laurentino Dias) hat alles inszeniert. Wenn wir nicht in die EM-Endrunde kommen, müssen einige zur Rechenschaft gezogen werden», forderte Luis Filipe Vieira, Boss des Traditionsclubs Benfica Lissabon. Queiroz' Anwalt Rui Patricio erklärte, man wolle eine finanzielle Entschädigung verlangen und sich eventuell wegen der Einmischung der Regierung beim Weltverband FIFA beschweren. «Wir sind enttäuscht, aber es war unvermeidlich», sagte er. Dias wollte die Vorwürfe nicht kommentieren.

Kurz nach der WM hatten Medien geschrieben, Queiroz sei nur deshalb nicht sofort nach dem Aus gefeuert worden, weil der FPF die finanziellen Konsequenzen gefürchtet habe. Eine Kündigung des bis 2012 laufenden Vertrages hätte den Verband damals fünf Millionen Euro gekostet. Die Sperre durch die Dopingagentur habe nun eine fristlose Kündigung möglich gemacht, heißt es jetzt in Lissabon.

«Von der Herrlichkeit zur Hölle in 20 Jahren», titelte die Zeitung «Público». Gemeint ist der erfolgreiche Karriere-Beginn von Queiroz, der 1989 und 1991 Portugal zweimal hintereinander zu Titelgewinnen bei der U-20-WM führte und als Vater der «Goldenen Generation» um Luis Figo, Rui Costa und Vítor Baía galt. Queiroz ist zumindest unter den Kollegen noch sehr beliebt. So war zum Beispiel sein früherer Chef bei Manchester United, Sir Alex Ferguson, jüngst extra nach Lissabon geflogen, um Queiroz beim Prozess im FPF-Gebäude zu verteidigen. «Er ist ein Gentleman», sagte Ferguson im August.