Frankfurt/Main (dpa) - Am 12. September 1990 nahm die DDR-Nationalmannschaft Abschied von der internationalen Fußball-Bühne. Matthias Sammer wollte vor dem Spiel in Belgien abreisen, führte die von Eduard Geyer trainierte «Notelf» dann aber doch aufs Feld - und mit zwei Toren zum 2:0-Sieg.

Seinen Eintrag in die Geschichtsbücher hätte Matthias Sammer vor 20 Jahren fast verpasst. Beim finalen Auftritt der DDR-Auswahl auf der internationalen Fußball-Bühne in Belgien trug sich Sammer mit einem Doppelpack zum 2:0-Sieg als letzter Torschütze des Arbeiter- und Bauernstaates in die Annalen ein. Dabei wollte er an diesem Tag gar nicht auf dem Rasen stehen. «Beim Treffpunkt in Kienbaum waren nur 13 Spieler da. Das war schwierig. Eigentlich wollte ich nicht bleiben, aber es ging an dem Abend kein Flugzeug mehr», verriet Sammer in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Am nächsten Morgen kletterte Sammer, der im Sommer in die Bundesliga zum VfB Stuttgart gewechselt war, dann doch mit dem «Häufchen der Aufrechten» in den Flieger gen Belgien. «Es war gut, dass er geblieben ist. So hat er zwei Tore geschossen und sich einen historischen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert», sagte der damalige DDR-Auswahltrainer Eduard Geyer. «Es wäre nicht fair gewesen zu kneifen», meinte Sammer. «Die Partie stand ja unter einem besonderen Stern, weil es das letzte Länderspiel der DDR war.»

Das sahen allerdings nur wenige DDR-Kicker so. Insgesamt 24 Spieler - darunter Stars wie Andreas Thom, Ulf Kirsten oder Thomas Doll - hatten sich im Vorfeld abgemeldet. «Viele haben damals schon in der Bundesliga gespielt. Ich hatte gehofft, sie noch einmal in diesem Kreis zu sehen. Aber das hat nicht geklappt», erzählte Sammer.

Auch Geyer erinnert sich noch gut an die Schwierigkeiten, ein vollzähliges Team auf die Beine zu stellen. «Ich hatte gehofft, dass sich die langjährigen Nationalspieler ordentlich verabschieden, vielleicht noch mal ein Bier zusammen trinken. Dass sie dann bis auf Matthias nicht gekommen sind, war ein bisschen enttäuschend», sagte Geyer der dpa.

In der von ihm mühsam aufgestellte Not-Elf hatten außer Sammer nur noch zwei Spieler mehr als zehn Länderspieleinsätze: Jörg Stübner (47) und Detlef Schößler (18). Dennoch schlug sich das unerfahrene Team vor 10 000 Zuschauern im Constant-Vanden-Stock-Stadion von Anderlecht viel besser als erwartet. «Die Jungs haben sich richtig gut aus der Affäre gezogen. Sie sind die Helden des 12. September», erklärte der 65-Jährige.

Nach der Partie, die Sammer mit seinen Toren in der 73. und 90. Minute entschied, habe man noch zusammen gegessen und ein Bier getrunken. «Ich habe mich bei allen bedankt, dass sie dabei waren. Danach sind wir auseinandergegangen, und jeder hat versucht, seinen Platz zu finden», berichtete Geyer.