Monza (dpa) - Michael Schumacher kehrt mit ganz besonderen Gefühlen nach Monza zurück. Beim Großen Preis von Italien feierte der Rekord-Weltmeister 2006 seinen 90. und damit vorletzten Grand-Prix-Sieg. Frenetisch feierten die Ferraristi damals ihren «Michele» für dieses ganz besondere Abschiedsgeschenk.

«Das war ein sehr spezieller Sieg mit sehr speziellen Emotionen», sagte Schumacher jetzt vor seinem Comeback im Königlichen Park nach vier Jahren. «Monza ist mit sehr viel Emotionen und schönen Momenten verbunden. Man merkt, dass die Tifosi ihren Michele nicht vergessen haben.»

«Passione e amore», also Leidenschaft und Liebe wie in seinen elf äußerst erfolgreichen Jahren mit Ferrari wird Schumacher beim 14. Saisonlauf zur Formel-1-WM sicher nicht mehr erleben. «Jetzt ist ein neues Zeitalter in anderen Farben», wies der inzwischen 41 Jahre alte Routinier auf seinen Wechsel von den «Roten» zu den «Silbernen» hin. Trotzdem genießt Schumacher bei den Italienern noch immer viele Sympathien und einen hohen Stellenwert. Spruchbänder wie «Michael, wir lieben dich» zeugen davon.

Schumacher muss aber nicht nur in Sachen Fan-Zuneigung deutliche Abstriche gegenüber seiner Ferrari-Ära machen. Dies gilt auch bezüglich Konkurrenzfähigkeit. Siege und Pole Positionen sind für den Rekordhalter derzeit außer Reichweite, wie der bisherige Saisonverlauf schmerzhaft bewiesen hat. Vom Titel ganz zu schweigen. «Bei der Meisterschaft sprechen wir leider kein großes Wort mit, es geht um Punkte. Wir wollen den vierten Platz in der Teamwertung halten», beschrieb Schumacher das Ziel.

Norbert Haug macht sich nach dem bislang ernüchternden Abschneiden ebenfalls keine Illusionen, dass Mercedes GP (146 Punkte) die deutlich vorne liegenden Red Bull (330), McLaren-Mercedes (329) und Ferrari (250) noch abfangen könnte. «Das Loch nach vorne ist zu groß», räumte der Mercedes-Motorsportchef ein. «Wir geben nicht auf, aber es ist klar, dass wir von der Tendenz her nicht die Nummer 4 sondern eher die Nummer 5 sind.»

Haug stellt aber auch klar, dass nicht Schumacher und sein Teamkollege Nico Rosberg die Schuld am Mittelmaß tragen. Der MGP W01 ist in Sachen Technik und Tempo einfach nicht auf dem Niveau der Top-Konkurrenten. Nächstes Jahr soll sich das radikal anders darstellen. «Wir arbeiten schon seit langem am neuen Auto», sagte der Mercedes-Mann. «Wir versuchen in jedem Detail, jeder Schraube, jedem Gramm alles so zu bündeln, dass wir den bestmöglichen Job machen.»

Der Mercedes-Motorsportchef kann die Kritik am siebenmaligen Champion nicht nachvollziehen, der als WM-Zehnter mit mageren 44 Punkten deutlich im Schatten des Gesamtachten Rosberg (102) steht. «Die Hälfte der Rennen war zwischen den beiden ausgeglichen», sagte Haug, obwohl der knapp 17 Jahre jüngere Rosberg im direkten Vergleich sowohl im Rennen als auch in der Qualifikation deutlich besser abschneidet. «Nach drei Jahren Pause, neuen Reifen und neuem Reglement ist das nicht so schlecht», stellte er Schumacher ein gutes Zeugnis aus.