Rosario (dpa) - Deutschlands Hockey-Damen konnten es den Fußballern nicht nachmachen: WM-Aus gegen Argentinien, das erste Finale seit 1986 verpasst. Die DHB-Auswahl trifft nun im Spiel um Platz 3 auf England. Ausschlaggebend war das Verletzungs-Aus von Leistungsträgerin Müller.

Julia Müller litt vor Schmerzen auf der Bank, der Traum vom ersten WM-Finale seit 24 Jahren für Deutschlands Hockey-Damen war nach nur 60 Sekunden schon geplatzt. Nach einem folgenschweren Schlag auf ihren Ellbogen musste die Innenverteidigerin und Leistungsträgerin beim WM-Halbfinale gegen Gastgeber Argentinien verletzt vom Platz. «Julis Ausfall hat uns das Genick gebrochen. Grundsätzlich ist sie unsere größte Stütze im Spiel», meinte Auswahlkollegin Tina Schütze.

1:2 hieß es am Ende in Rosario, die argentinischen Fans unter den 12 000 Zuschauern feierten ihre «Leonas». Für Müller führte der Weg nach dem Match zum Röntgen ins Krankenhaus: Verdacht auf Bruch des Radiusköpfchens am Ellbogen.

«Uns hat natürlich schwer erwischt, dass wir schon nach einer Minute Julia Müller verloren haben, die das Spiel von hinten taktisch aufbauen sollte und die letzten Partien ja auch hinten stark verteidigt hat», resümierte Trainer Michael Behrmann, der auf vier Siege und nunmehr zwei Niederlagen im WM-Turnier zurückblicken kann. Nach dem Schock habe seine Mannschaft 20 Minuten gebraucht, um zurück ins Spiel zu finden. Währenddessen überstand das Team eine Unterzahlsituation, selbst drei Ecken konnte es abwehren.

Und doch schlugen die Argentinierinnen, frenetisch angetrieben von den Fans in himmelblau und weiß, zu. Starspielerin Luciana Aymar traf mit einem Flachschuss zur Führung (25.) und ebnete so auch den Weg zum großen persönlichen Finale: In der Nacht auf den 12. September bestreitet die Ikone des Hockeysports gegen die Niederlande ihr 300. Länderspiel.

Den Behrmann-Damen, die zuvor im Spiel um Platz 3 auf England treffen, fehlte die letzte Konsequenz. Auch die angeschlagene Rekordnationalspielerin Natascha Keller konnte kein Tor erzielen. Stattdessen erhöhte der Weltranglisten-Zweite gegen den Weltranglisten-Vierten sieben Minuten vor dem Ende durch Rosario Luchetti (63.).

Beim Stand von 1:0 sei noch Hoffnung dagewesen, meinte der deutsche Coach. «Aber das 2:0 war bitter, wir sind nicht schnell genug nachgekommen, um die Lücke zu schließen.» Durch Müllers Ausfall mussten die verbliebenen Abwehrspielerinnen fast durchspielen. Letztlich fehlte «ein bisschen die Kraft», meinte Behrmann. Und so kam auch der Anschlusstreffer durch Maike Stöckel zu spät, sprich: in der vorletzten Minute.