Kopenhagen/Espoo (dpa) - Den Gewinn wieder hochtreiben und zur Konkurrenz auf dem Smartphone-Markt aufschließen: Das ist der simple und doch so schwere Auftrag für den neuen Nokia-Chef Stephen Elop (46).

Ausgerechnet vom alten Apple-Rivalen Microsoft hat sich der bei Smartphones hinterherhinkende Handy-Weltmarktführer seinen neuen Chef geholt. Denn auch der US-Softwarekonzern zählt bisher nicht zu den Gewinnern im Kampf um den besonders lukrativen Markt für gehobene Smartphones.

Mit der Entscheidung am Freitag für den 46-jährigen Kanadier musste Nokias bisheriger Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo (57) den Kampf endgültig aufgeben. Seit Monaten schon wurde in der gläsernen Konzernzentrale in Espoo vor den Toren Helsinkis über die Ablösung des glücklosen Finnen gebrütet. Unter seiner Führung war Nokias einst so souveräne Führung auf dem Handy-Weltmarkt genau da weggeschmolzen, wo Geld zu verdienen war.

Apple-Chef Steve Jobs konnte mit dem iPhone nach dem zweiten Quartal einen Traumgewinn von 3,3 Milliarden Dollar (2,6 Mrd Euro) verkünden. Davon kam fast die Hälfte aus der Smartphone-Sparte. Kallasvuo musste dagegen kleine Brötchen backen. Der Gewinn von Nokia schrumpfte um fast die Hälfte auf 227 Millionen Euro, der von Apple verdoppelte sich im selben Zeitraum fast.

Da nutzte es dem braven Ingenieur Kallasvuo wenig, dass er sich für Präsentationen neuer Modelle auch schon mal nach dem Vorbild von Apple-Chef Steve Jobs im dunklen T-Shirt auf die Bühne stellte. Unbeholfen wirkte er bei seinen steif vorgetragenen Lobeshymnen auf «zu erwartende» Nokia-Neuerungen. Die verspäteten sich dann immer wieder, wie das neue Symbian-3-Betriebssystem, oder kamen beim anspruchsvollen und zahlungskräftigen Smartphone-Publikum nicht an.

Schon die die hauseigene Präsentations-Messe «Nokia World» nächste Woche in London könnte der erste öffentliche «Coolness»-Test für Elop werden. Hier steht das neue Nokia-Smartphone N8 im Mittelpunkt, von dessen Erfolg viel für die Finnen abhängt. Als ausschlaggebend für Elop, mit dem erstmals ein Ausländer das Unternehmen führt, galt seine Software-Erfahrung. Und als Chef der Geschäftskundensparte hatte Elop bei Microsoft schon einmal eine umfangreiche Neuorientierung erfolgreich begleitet.

Bei seiner Premiere in der Nokia-Zentrale präsentierte sich der Eishockey-Fan aus Kanada schon mal als ausgesprochen redegewandt. Konkret konnte er naturgemäß wenig verkünden, hatte aber vielleicht vorher ein bisschen die rhetorischen Kunststücke von US-Präsident Barack Obama studiert. «Nokias Mission, die Menschen zu verbinden, wird weitergehen», verkündete er optimistisch und griff dabei einst so erfolgreichen, aber doch inzwischen verblichenen Reklameslogan «Connecting People» der Finnen auf. «Ein bisschen frisches ausländisches Blut tut Nokia gut», fand danach der IDC-Analyst Nick MqQuire.