Frankfurt/Main (dpa) - Sieben Jahre lang war Thilo Sarrazin (SPD) Finanzsenator Berlins, bei der Deutschen Bundesbank wird er es auf 17 Monate bringen. Die Zusammenarbeit war kurz, aber bewegt.

Februar 2009: Die Länder Berlin und Brandenburg einigen sich, Sarrazin für den Vorstand der Notenbank vorzuschlagen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagt: «Mit Sarrazin geht einer der profiliertesten Finanzpolitiker nicht nur des Landes Berlin, sondern in der Bundesrepublik Deutschland.»

April 2009: Bei der Bundesbank wartet man nicht ohne Sorge auf das berüchtigte Vorstandsmitglied aus Berlin. Zwar steht Sarrazins Fachkompetenz außer Frage. Aber schon vor seinem Amtsantritt sorgt er für Naserümpfen, weil er sich selbst für das Ressort «Internationale Beziehungen» ins Spiel bringt.

Mai 2009: Sarrazin übernimmt die Bereiche Bargeld, Informationstechnologie und Risiko-Controlling. Wenig später erscheint ein Interview, in dem er sagt, die Politik müsse dafür sorgen, dass nur diejenigen Kinder bekommen, die «damit fertig werden». Zudem sagt er: «Man muss den Leuten sagen: Glaube keinem Bankberater.» Die Bundesbank distanziert sich.

September 2009: In einem Interview behauptet Sarrazin, 70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin lehnten den deutschen Staat ab und sorgten nicht vernünftig für die Ausbildung ihrer Kinder. Die Bundesbank legt Sarrazin indirekt den Rücktritt nahe.

Oktober 2009: Nach seinen Äußerungen zur Integration von Ausländern entzieht die Bundesbank Sarrazin die Zuständigkeit für den wichtigen Bereich Bargeld.

Mai 2010: Bei einem Umbau an der Spitze der Bundesbank bekommt Sarrazin zu seinen Ressorts Informationstechnologie und Risiko- Controlling auch den Bereich Revision