Tokio (dpa) - Nach seinem unerwartet frühen WM-Aus blieb Judo-Olympiasieger Ole Bischof nur eine Prise Galgenhumor.

«Manchmal liegen Glück und Pech nah beieinander. Manchmal liegen sie halt auch in einem Hotelzimmer», sagte der 31-Jährige mit Blick auf seinen am Vortag so erfolgreichen Zimmerkollegen Andreas Tölzer. Mit Silber hatte der Schwergewichtler beim Auftakt der Welttitelkämpfe in Tokio seinen WM-Fluch endlich besiegt, Weggefährte Bischof blieb dagegen am zweiten Tag überraschend früh auf der Strecke und muss weiter auf seine zweite WM-Medaille nach Bronze 2009 warten.

Seine gesamte Saisonvorbereitung hatte der Peking-Olympiasieger auf den WM-Wettkampf in der Yoyogi-Halle in Tokio abgestimmt, doch dann ging in der Klasse bis 81 Kilogramm alles unerwartet schnell. «Er hat mich blitzsauber erwischt. Schön gewonnen, schön verloren. Das ist Judo, da wird nichts geschenkt», sagte Bischof nach seinem WM-Aus im zweiten Kampf gegen den früheren niederländischen Weltmeister Guillaume Elmont. «Es war klar, dass der Kampf gegen den Ex-Weltmeister sehr schwer wird, aber Ole hat sehr unglücklich verloren», befand Männer-Bundestrainer Detlef Ultsch.

«Natürlich bin ich Mitfavorit gewesen, und natürlich hatte ich mir mehr erhofft», gestand Olympiasieger Bischof nach dem viel zu kurzen WM-Auftritt. Da Elmont in diesem Jahr nur wenige Turniere bestritten habe, sei er in Tokio nicht unter den Gesetzen gewesen. «Das war das schwierigste Los unter den Ungesetzten. Dieser Kampf hätte auch im Halbfinale oder Finale stattfinden können», klagte Bischof. Auch Elmont verpasste am Ende die Medaillenränge.

Noch schlimmer als Bischof erwischte es am zweiten WM-Tag Kerstin Thiele und Iljana Marzok, die in ihrer Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm gleich zum Auftakt scheiterten. «Die Ergebnisse entsprechen auf jeden Fall nicht den Erwartungen, die wir für heute hatten», meinte Vizepräsident Lutz Pitsch vom Deutschen Judo-Bund (DJB).

Bischof wollte nach seinem geplatzten WM-Traum keine Ausreden gelten lassen. An zu wenig Schlaf habe es auf keinen Fall gelegen. «Er hat sich mit dem Feiern schon zusammengerissen», sagte der 31-Jährige mit Blick auf seinen diesmal erfolgreicheren Zimmerkollegen Tölzer, dem er den Coup von Herzen gönnt. «In Peking hat er sich mit mir gefreut, jetzt freue ich mich mit ihm», versicherte Bischof.