Espoo/Helsinki (dpa) - Handy-Weltmarktführer Nokia will im Kampf um Smartphone-Kunden mit einem neuen Chef aufholen. Der kanadische Microsoft-Manager Stephen Elop löst am 21. September den Finnen Olli- Pekka Kallasvuo an der Konzernspitze ab, teilte der finnische Konzern am Freitag in Espoo mit.

Elop sagte bei seiner Vorstellung in der gläsernen Konzernzentrale vor den Toren Helsinkis: «Wir sind jetzt an einer absoluten Bruchstelle für die gesamte Computerindustrie. Meine Aufgabe besteht darin, Nokia erfolgreich durch diese schwierige Phase zu führen.»

Der 57 Jahre alte Kallasvuo galt seit längerem als angeschlagen. Nokia kann mit seinen Smartphones nicht mit den Konkurrenten wie Apple mit dem iPhone, dem Blackberry-Hersteller Research in Motion oder den Herstellern von Android-Modellen mithalten. Zwar kann Nokia immer noch hohe Stückzahlen absetzen, die Gewinnmarge liegt aber deutlich hinter dem Wettbewerb. Nokias-Aufsichtsratschef Jorma Ollila meinte zur Ernennung von Elop: «Die Zeit ist reif, um die Erneuerung des Konzerns zu beschleunigen.»

Aufsichtsratschef Ollila selbst will im Amt bleiben. Er war vor Kallasvuo bis 2005 Konzernchef und hatte Nokia zum größten Handy- Produzenten der Welt mit immer neuen Gewinnrekorden geführt. Auch er war wegen der stark geschrumpften Gewinne zuletzt immer mehr in die Kritik geraten.

Ollila meinte, Elop sei mit seinem «starken Software-Hintergrund und nachweislichen Erfahrungen als Umstellungsmanager» der richtige Mann für Nokia. Der IT-Ingenieur aus Kanada war seit 2008 bei Microsoft für die Geschäftskundensparte zuständig. Er kündigte seinen «baldigen» Umzug nach Helsinki an und ist der erste Ausländer an der Spitze des finnischen IT-Konzerns.

Elop sagte über seinen Wechsel an die Nokia-Spitze: «Ich bin extrem begeistert.» Nokia habe eine «einzigartige globale Position und einen großartigen Namen», um die völlig neue Marktlage mit «explosionsartigem Wachstum» beim Gebrauch von Smartphones wie auch neuen sozialen Medien zu meistern.

Nokia hat seit mehr als einem Jahrzehnt den Weltmarkt für Mobiltelefone mit einem Marktanteil von bis zu 40 Prozent souverän beherrscht. Zuletzt taten sich die Finnen beim weltweiten Siegeszug anspruchsvoller Smartphones aber schwer, bei der Umstellung von simplen Handys auf relativ teure Mobiltelefone mit immer mehr Computerfunktionen attraktive Modelle anzubieten. Dabei hat Nokia den Anschluss an Konkurrenten wie Apple oder Blackberry-Hersteller Research in Motion verloren. Für zusätzlichen Druck sorgen Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android.