Frankfurt/Main/London (dpa) - Die Deutsche Bank steht laut Zeitungsberichten kurz vor einer milliardenschweren Kapitalerhöhung. Die Frankfurter wollten wahrscheinlich schon an diesem Montag die Maßnahme im Volumen von acht bis neun Milliarden Euro bekanntgeben.

Dies berichten die «Financial Times», das «Wall Street Journal» und das «Handelsblatt» am Freitag unter Berufung auf Kreise. Zuvor hatte bereits die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg vermeldet, dass entsprechende Pläne von mehreren Investmentbanken geprüft würden, eine Entscheidung aber noch nicht getroffen worden sei.

Mit dem Schritt wolle die größte deutsche Bank die Komplettübernahme der Postbank finanzieren, hieß es. Bloomberg berichtete zudem, dass sich die Deutsche Bank damit auch für die anstehenden schärferen Kapitalregeln für die Banken («Basel III») rüsten will. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte zuletzt allerdings immer wieder betont, dass er den Kapitalmarkt nur wegen möglicher Übernahmen anzapfen will. Die Deutsche Bank wollte die Berichte auf Anfrage nicht kommentieren.

An der Börse kamen die Berichte nicht gut an. Die Aktie der Bank gab mehr als fünf Prozent nach, war damit Schlusslicht im Dax und fiel auf den tiefsten Stand seit Mitte Juli. Am Markt wird bereits seit geraumer Zeit über eine bevorstehende Kapitalerhöhung der Bank spekuliert.

Die in Berichten nun genannte Höhe überrascht die Experten allerdings. So hieß es in einer Studie der US-Investmentbank Goldman Sachs: «Es war klar, dass die Deutsche Bank wegen der bevorstehenden Postbank-Übernahme bald an den Kapitalmarkt gehen wird. Die in den Berichten genannten neun Milliarden sind jedoch mehr als erwartet.»

Die Postbank-Aktie reagierte mit einem deutlichen Aufschlag auf die Berichte. Getrieben von der Hoffnung auf ein baldiges Übernahmeangebot der Deutschen Bank stieg das Papier knapp fünf Prozent auf den höchsten Stand seit April.

Derzeit hält die Deutsche Bank knapp 30 Prozent an dem Bonner Institut. Spätestens bis Ende Februar 2012 muss die größte deutsche Bank von der früheren Postbank- Mutter Post weitere 60 Millionen Aktien oder rund 27 Prozent für 45 Euro je Aktie übernehmen. Spätestens dann wird auch ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre zu mindestens diesem Preis fällig.