Berlin (dpa) - Die Kritik an der Sicherheit des kommenden elektronischen Personalausweises reißt nicht ab. Die zuständige Behörde beharrt allerdings darauf, dass er ausreichend sicher ist.

Der Chaos Computer Club berichtete über Möglichkeiten, eine bereits bekannte Schwachstelle des Identifizierungssystems auszunutzen. So könne ein Angreifer, der in den Besitz der Ausweis- Geheimnummer (PIN) gekommen sei, sich im Internet für deren Besitzer ausgeben, solange die Karte sich in einem Lesegerät befindet. Auch könne er die PIN des Ausweises verändern.

Das zuständige Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) räumte ein, dass es grundsätzlich möglich ist, beim Einsatz eines einfachen Lesegerätes mit Hilfe einer «Trojaner»-Schadsoftware eine PIN auszuspähen, die am PC eingetippt wird. Dabei wird zum Beispiel über sogenannte «Keylogger» die Abfolge der Eingaben über die Tastatur abgegriffen.

Die Lesegeräte sind nötig, um den neuen Personalausweis am heimischen Computer für die Abwicklung von Internet-Geschäften zu nutzen. Zum Start sponsert das Bundesinnenministerium für 24 Millionen Euro mehr als eine Million der benötigten Lesegeräte. Die Mittel kommen aus dem Konjunkturpaket II. Die einfachen Lesegeräte sollen unter anderem über Computer-Zeitschriften und ausgewählte Banken kostenlos als sogenannte Starter Kits verteilt werden.

Experten raten bei sicherheitskritischen Anwendungen zum Einsatz von höherwertigen Lesegeräten (mindestens «Klasse 2»), bei denen die Tastatur zur Eingabe der PIN eingebaut ist. Damit verhindert man eine Eingabe der PIN am PC und ein mögliches Ausspähen der Geheimnummer.

Wenn ein Benutzer «den großen Fehler» mache, den elektronischen Personalausweis länger als nötig in einem Lesegerät zu lassen, könne sich ein Angreifer im Besitz der PIN tatsächlich für ihn ausgeben, zum Beispiel bei Altersverifizierungsdiensten, räumte BSI-Experte Jens Bender am Mittwoch ein. Allerdings könne ein Online-Krimineller dabei keine Geschäfte im Internet abschließen, weil dafür eine separate Signatur-Funktion aktiviert werden müsse. Die Signatur ist durch eine zweite PIN geschützt, die ausschließlich direkt an einem Lesegerät mit integrierter Tastatur eingegeben werden könne.

Unter keinen Umständen könne ein Angreifer Einblick in die persönlichen Daten des Ausweis-Inhabers bekommen, da sie verschlüsselt übermittelt würden, betonte Bender.