Lexington (dpa) - Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind die Erfolgsaussichten der deutschen Pferdesportler begrenzt. Sechs goldene Medaillen sackten die Gastgeber vor vier Jahren beim WM-Heimspiel in Aachen ein, doch so viele werden es bei der ersten WM außerhalb Europas wohl nicht werden.

«Es wird eng, aber das macht es auch spannend», sagte Breido Graf zu Rantzau, Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), vor seinem Abflug in die USA. «Die anderen Nationen haben aufgeholt», sagte der Verbandschef. Er zeigte sich dennoch optimistisch, hält sechs goldene Medaillen «für nicht utopisch, es gibt ja auch mal Überraschungen». Zusätzliche Chancen bietet die erstmals ins Programm aufgenommene Para-Dressur für behinderte Reiter. «Das sind Medaillensammler, davon verspreche ich mir einiges Edelmetall», meinte FN-Sportchef Reinhardt Wendt.

Vor allem in der Dressur ist die Veränderung in der Pferdesport-Welt am deutlichsten. Jahrzehntelang waren die deutschen Reitkünstler im Viereck das Maß aller Dinge und unschlagbar, standen bei jeder internationalen Großveranstaltung am Ende mit goldenen Medaillen auf dem Treppchen. Inzwischen haben die Niederländer den Nachbarn den Rang abgelaufen, gewannen zweimal die EM und gelten in Lexington im Bundesstaat Kentucky als sichere Goldanwärter. «Für uns geht es nur darum, um Silber zu kämpfen», erklärte Bundestrainer Holger Schmezer. In Aachen feierten die Gastgeber Gold mit der Mannschaft und im Grand Prix Special durch Isabell Werth. «Das ist dieses Jahr utopisch», sagte die Titelverteidigerin.

Die Weltreiterspiele, so der offizielle Sammelbegriff für die Weltmeisterschaften in acht Disziplinen, beginnen am 25. September mit der amerikanischsten aller Pferdesportarten - dem Reining genannten Westernreiten. Eine Bronzemedaille in der Teamwertung wäre für die deutsche Vertretung schon eine Überraschung. Auch im Distanzreiten, der zweiten Disziplin in Lexington, ist keine Medaille zu erwarten.

Erste Goldanwärter sind die deutschen Vielseitigkeitsreiter, die als Titelverteidiger anreisen. «Die Zielvorgabe ist Platz eins bis drei fürs Team, Platz eins bis acht in der Einzelwertung», sagte FN-Sportchef Wendt. Die Vielseitigkeit, in früheren Jahren das Sorgenkind, ist inzwischen die Parade-Disziplin geworden. Die deutschen «Buschreiter», wie sie sich selber nennen, gehören zu den Favoriten, obwohl sie auf Doppel-Olympiasieger Hinrich Romeike verzichten müssen. Dessen Gold-Pferd Marius hat sich bei einem Test für die WM verletzt.

Ähnlich hoch wie bei der Vielseitigkeit ist die Erwartung im Springreiten. Die Plätze eins bis drei sind sowohl im Team als auch im Einzel die Zielvorgabe des FN-Sportchefs. Aber gerade im Springreiten ist die Konkurrenz am größten, haben die kleinen Nationen am meisten aufgeholt. «Die haben auch Reiten gelernt», kommentierte der Verbandspräsident salopp.

Bundestrainer Otto Becker, der mit seinem Team in der zweiten WM-Woche startet, sagte: «Eine Medaille ist das Ziel, aber es wird eng.» Gastgeber USA, zuletzt zweimal Olympiasieger, und Frankreich gehören zu den Topfavoriten. Die Deutschen zählen dieses Mal eher zu den Herausforderern.