Antalya (dpa) - Vor zwei Jahren war Matthias Steiner Olympiasieger im Gewichtheben. Er war Medienstar, Sportler des Jahres und Bambi-Preisträger. Jetzt ist er, wie er sagt, ein anderer.

«Es ist viel passiert. Ich bin ein anderer Mensch geworden in den letzten zwei Jahren», erzählt der 144 Kilogramm schwere Koloss. Gewichte stemmt Steiner weiterhin. Und Medaillen will er auch. Aber der Shooting-Star der deutschen Gewichtheber-Szene hat eine neue Erfahrung gemacht: Es geht mühsamer als früher.

In Antalya, wo derzeit die Eisenheber ihre Weltbesten küren, betritt Steiner am 26. September die Bühne. Gold hat er abgeschrieben. «Ich bin noch nicht wieder soweit. Es tut schon weh, wenn man nicht richtig konkurrenzfähig ist. Aber die WM ist nur eine Zwischenstation.» Ziel sind die Olympischen Spiele 2012. «In London kämpfen wir um Gold mit», sagt sein Trainer Frank Mantek. «In London, nicht jetzt.»

Edelmetall soll an der türkischen Riviera aber dennoch herausspringen. 440 Kilogramm will Steiner dafür in die Höhe wuchten. Bei der Generalprobe hatte er 426 Kilogramm geschafft. In Peking vor zwei Jahren waren es 461. Dazwischen liegt, so kommt es dem 28-Jährigen vor, ein halbes Leben.

Steiners Dasein war in der vorolympischen Zeit 2008 eindimensional. Vom Bett ging es in die Trainingshalle, von dort ins Bett. «Damals ist er in ein großes schwarzes Loch gefallen», sagt Mantek über die Katastrophe von einst. Kurze Zeit mit der Sächsin Susann verheiratet, kam diese bei einem Auto-Unfall in der Nähe von Heidelberg ums Leben.

Der abgrundtiefe Schmerz, der Steiner fortan peinigte, schlug Wochen später in unbändige Wut um. Der Muskelmann fraß sich förmlich durchs Eisen, tobte sich in der Hantelhalle aus. Er habe ihr schließlich das Gold-Versprechen gegeben, berichtete der gebürtige Österreicher, der seit 33 Monaten Deutscher ist. Kaum war der Gold-Coup in Peking geglückt, zeigte er der Welt via TV-Kamera seine Motivation: das Foto seiner toten Frau.

Schnitt: Sommer 2010. Steiner ist mit der Fernseh-Moderatorin Inge Posmyk, jetzt Inge Steiner, verheiratet. Seit März sind sie Eltern. Der Sohn heißt Felix. Felix heißt der Glückliche. So fühlt sich Steiner: glücklich. Privat, so verrät er, herrscht Idylle. Aus diesem Schwebezustand heraus aufs kalte Eisen in der Hantelhalle zu prallen, ist hart. Und es ist so ganz anders als zwei, drei Jahre zuvor.