Köln (dpa) - Irgendwie ist Lukas Podolski so etwas wie die Sphinx unter den besten Fußballern Deutschlands. Im Nationalteam häufig wie aufgedreht, in der Bundesligamannschaft des 1. FC Köln nicht immer seinem Wert entsprechend agierend.

Zehn Millionen Euro ließ sich der Verein im Jahr 2009 die Rückholaktion des gebürtigen Polen kosten, der sich in drei Jahren beim FC Bayern München niemals ganz durchsetzen konnte. Gerade einmal zwei Treffer in 27 Erstligabegegnungen der Saison 2009/2010 waren der zählbare Effekt. Zu wenig - das weiß Podolski selbst. Aber ist gibt sicherlich Gründe dafür, dass es nicht so gut lief für den mittlerweile 25-Jährigen: Er musste fast durchweg auf der Position als «hängender» Linksaußen agieren, er fand zu selten die idealen Kombinationspartner, er schien mit seinem Angriffs-Pendant Milivoje Novakovic nicht perfekt zurecht zu kommen.

Das System, sich hinten den Ball zu holen, ihn sich selbst vorlegen und dann in der Spitze erfolgreich zu sein - es funktionierte kaum. In der aktuellen Spielzeit darf Podolski mittlerweile das tun, was ihm den augenscheinlich höchsten Wohlfühl- Effekt auf dem Rasen beschert: Spitze sein. Novakovic ist derzeit außen vor, Podolski wirkt befreit, erzielte an den ersten fünf Spieltagen immerhin schon einen Treffer beim 2:4 in Bremen und gab beim 1:0 gegen St. Pauli die Vorlage zum Siegtor Taner Yalcins.

Da war Podolski auch Kapitän, weil Spielführer Youssef Mohamad gesperrt war. Und diese Rolle bekam dem Kölner «Leitwolf», der wieder glänzen konnte. Doch seine wahren Qualitäten zeigt er noch immer zu selten. Dabei war er einmal eine stetige Gefahr für den Gegner: In der zweiten Liga gelangen ihm 2004/2005 24 Treffer in 30 Partien, im Jahr nach dem Wiederaufstieg immerhin zwölf bei 32 Einsätzen. Kurz: Er war eine absolute Integrationsfigur beim Geißbock-Club, mehr als 20 000 Fans huldigten ihm beim ersten Training nach seiner Rückkehr aus München.

Die Euphorie ist gewichen, obwohl Podolski nach wie vor alles gibt. Möglicherweise ist oder war der Druck zu groß, der 25-Jährige räumte ein, dass auf ihn Dinge zukamen, «die vorher keiner ahnen konnte. Das habe ich sicher ein wenig unterschätzt.» Eine Entwicklung wie bei seinem Kumpel Bastian Schweinsteiger vom jugendlichen Emporkömmling hin zur Leitfigur im Vereins- und Nationalteam ist nur in Ansätzen da, die einstige Unbekümmertheit des Instinktfußballers Podolski blitzt zu selten auf.

Ganz anders im Nationalteam, wo Bundestrainer Joachim Löw dem Kölner oft einen «Freifahrtschein» einräumte. Mit 41 Toren in 81 Einsätzen ist Podolski trotz seiner jungen Jahre längst fester Bestandteil und hat mit seinem Vereinspräsidenten Wolfgang Overath bei der Anzahl an Länderspielen gleichgezogen: Im Umfeld des Löw- Teams scheint sich Podolski ungleich wohler zu fühlen als bei «seinem» FC.

Doch er ackert, nicht nur auf dem Platz: Seine Führungsrolle nimmt er intensiver wahr als in der vergangenen Spielzeit. Zum Beispiel las er seinen Mitspielern nach dem 0:2 in Mainz am Dienstag kräftig die Leviten. «Ohne Zweikampf, ohne Laufbereitschaft kann man kein Spiel gewinnen. Wir sind nicht als Mannschaft aufgetreten» - harte Worte, die indes massiv unterstreichen, dass auch er nicht generell zufrieden ist mit dem Status quo des 1. FC Köln. Er selbst weiß, dass es mit an ihm liegt, die unbefriedigende Situation zu verändern.