Wiesbaden (dpa) - Rolf Töpperwien drang als erster deutscher Reporter in Bundesliga-Kabinen ein, mit Ledermantel und Fön-Frisur führte er überfallartige Interviews, und mit der ganzen Bundesliga außer Uli Hoeneß ist er per Du: «Töppi» ist eine schrille, die Fußballnation spaltende Figur.

Die einen lieben diese Stimme, seine kindliche Begeisterung und seine wachhaltenden Beiträge zu den unsäglichen Sendezeiten des ZDF-«Sportstudios», die anderen finden ihn zu laut und eitel. Die «Süddeutsche Zeitung» («SZ») nannte ihn jüngst eine «fleischgewordene Vuvuzela». Hin oder her: Wenn er am 25. September nach seiner 1444. Bundesligareportage (Werder Bremen - Hamburger SV) nach 37 Jahren aufhört, steht er als Rekordmann in den Büchern.

Weshalb er aufhört? Es passte alles so gut zusammen: Am 26. September steht die 250-Gäste-Sause zu seinem 60. Geburtstag an. Tags zuvor das Nordderby (für jemanden aus Osterode im Harz immer wieder ein Leckerbissen). Hauptgrund aber ist sein Sohn Louis (4): Der nörgelte manchmal: «Wieso musst du wieder ins doofe Hannovi?» Da er Louis zu 110 Prozent liebt und die 100-prozentige Leidenschaft für den Fußball nicht mehr dagegen ankam, ist nun Schluss, wie er sagt. Louis hat der Eintracht-Braunschweig-Fan auch die gerade erschienene Autobiografie «Von Braunschweig bis Johannesburg» gewidmet.

Eine Party, zu der etwa Rudi Völler eine Ansprache hält, und ein Buch: Ein leises Adieu wäre bei ihm auch komisch gewesen - bei dem Mann, der mit seinem lauten Lachen («HAHAHAHa») und seinen Schulterklopfern jeden Presseraum sofort erobert. Er ist sogar mit jedem Bundesliga-Ordner befreundet, so scheint es. Aus der gleichen Hinterlist wie er Michael Ballacks Berater kürzlich zum Geburtstag anrief - und schwups hatte er ihm ein heiß begehrtes Ballack-Interview nach dem Hannover-Spiel aus den Rippen geleiert. Als Ballack dann verletzt war und nicht wollte, kam «Töppis» Charme-Offensive: «Michael, wir kennen uns doch so lange, haben beide am 26. September Geburtstag und sind beide Waagen.» Am Ende bekam er irgendwie sein Interview.

Das ist die «Methode Töpperwien». Nils Kaben, der mit vier weiteren «Sportstudio»-Kollegen amüsiert einer «Töppi»-Lesung im Wiesbadener Schlachthof lauschte, meint: «Für ihn zählen keinerlei Regeln.» Und der große Töpperwien'sche Vorteil sei: «Ihm ist nichts peinlich.» «Töppi» sagt dazu: «Es geht mir nicht darum, dass ich dabei gut aussehe, sondern dass das eine Nummer ist, mit der ich zu der "Scheißzeit" um 23 Uhr noch jemanden wachhalten kann.» Gern «duelliert» er sich vor der Kamera mit schwierigen Typen wie Hoeneß.

Manche Nicht-ZDF-Journalisten, die «Töppi» die «gegnerischen Kollegen» nennt, finden ihn unerträglich. Die «SZ» nannte ihn wegen seiner Verehrung von Otto Rehhagel mal: Rehhagels «Putzerfischchen».

Mit dem Vorwurf der mangelnden Distanz lebt «Töppi», der keinen Computer hat, aber eine Menge Handynummern, seit jeher. Er habe sich nie als «Journalist», sondern immer als «Fußballreporter» gesehen. Er macht den Job nicht für Chefs oder Kollegen, «sondern das Publikum, das den Fußball liebt». Zu der proppenvollen Lesung kam ein junger Kerl, «weil ich diese Stimme, mit der ich aufgewachsen bin, immer mal live sehen wollte». Andere mögen die «Authentizität» und «Offenheit», er sei «ein Original, das nicht so steril ist wie die Neuen». Eine Frau mag keinen Fußball - «Töppis Begeisterung» schon.